Edel & Stahl

Anfangs sorgten die ersten Edelstahluhren für einige Irritationen: Zu schwer, zu teuer und zu groß erschienen diese neuartigen Zeitmesser. Heute sind Uhren aus Stahl gefragt wie nie. Vom exotischen Außenseiter zum internationalen Topseller – lesen Sie hier die bewegte Geschichte der Edelstahluhren.

Die Audemars Piguet Royal Oak gilt seit Jahrzehnten als zeitloser Klassiker der Sportuhren für Herren.

Edelstahluhren sind heute mit Abstand die beliebteste Uhrenkategorie. Was wenige wissen: Der Weg hierher war lang und dauerte über ein halbes Jahrhundert. Was noch weniger Menschen wissen: Oft waren es Armbänder aus Edelstahl, die einen ganz entscheidenden Teil dazu beitrugen, dass bestimmte Modelle heute als Klassiker der Uhrenindustrie gelten.

Uhren aus Stahl galten bis Ende der Sechziger Jahre als Raritäten, da das extrem harte Material mit den damaligen Fertigungsmethoden kaum zu bearbeiten war. An Armbänder aus Stahl war überhaupt nicht zu denken. Zu teuer, zu aufwendig. Die ersten Modelle waren wegen ihrer Klobigkeit vor allem Militärs, Tauchern oder Piloten vorbehalten. Als salonfähig jedenfalls galten die sogenannten Tool-Watches damals nicht. Man legte sie ab, sobald die Arbeit getan war. Und wählte für danach meistens etwas Eleganteres aus Gold.
Der Glashütte Original Seventies Chronograph Panoramadatum präsentiert sich ebenso sportlich wie elegant.
Stilvoller Blickfang: der Glashütte Original Seventies Chronograph Panoramadatum mit blauem Zifferblatt.

Von der klobigen Arbeitsuhr zum Liebling und täglichen Begleiter

Das moderne Stahlarmband, wie wir es heute kennen, hatte seinen Durchbruch rund zehn Jahre später, in den frühen Siebziger Jahren. Noch immer hatten damals die großen alten Manufakturen wie Vacheron Constantin, Patek Philippe oder Audemars Piguet keine Vollstahlmodelle im Programm. Mit dem Siegeszug der Rolex-Uhren, die bevorzugt von Pan-Am-Piloten, Profitauchern und dem zeitgleich aufkommenden internationalen Jet-Set getragen wurden, spürten sie jedoch, dass sie etwas tun müssen, um eine global agierende Kundenschicht mit einer 24/7-Uhr an jedem Ort und zu jeder Zeit der Welt glücklich zu machen. Ein im Nachhinein sehr glückliches Händchen bewies bei der Umsetzung dieser Aufgabe der Schweizer Designer Gérald Genta. Er entwarf in weniger als einer halben Dekade eine Reihe von Stahluhren, die heute allesamt als Klassiker gelten: 1972 die Royal Oak von Audemars Piguet, 1975 die IWC Ingenieur und im darauf folgenden Jahr die Nautilus von Patek Philippe.

Polisseure am Rand der Verzweiflung

Von den ersten Edelstahluhren waren nicht wenige Kunden irritiert: Die Modelle waren für damalige Verhältnisse nicht nur riesig (der Durchmesser betrug 40 bzw. 41 Millimeter), sie waren auch noch deutlich teurer als vergleichbare Goldmodelle. Denn die aufwendigen Edelstahlgehäuse und -bänder trieben die Fertigungskosten enorm nach oben. Allein am Band der Royal Oak von Audemars Piguet mussten 250 Kanten von Hand gebrochen werden, das charmante Wechselspiel aus geschliffenen und polierten Flächen brachte manchen Polisseur an den Rand der Verzweiflung.
Die Breitling Superocean Héritage II 42 bietet durch das Milanese-Armband hohen Tragekomfort.
Edel – mit ausgesprochen sportlichem Anreiz: die Breitling Superocean Héritage II 42.

Fertigungsstraßen für die Armbänder von Edelstahluhren

Alle diese Uhren hatten eine Gemeinsamkeit: Wie bei einem Armreif gingen die Bandglieder nahtlos ins Gehäuse über – die moderne Stahluhr war geschaffen. Heute, gut 40 Jahre später, sind diese Uhren so beliebt wie nie zuvor. Die Wartelisten für einige Modelle sind extrem lang, andere Hersteller haben große Kollektionen aufgelegt, die oft mehr als die Hälfte des Sortiments ausmachen. Die Fertigung ist nach wie vor extrem anspruchsvoll. Manche Marken wie Audemars Piguet, Rolex und Cartier stellen ihre Bänder in eigener Produktion her. Die Fertigungsstraßen dafür sind nicht zu unterschätzen und nehmen oft Turnhallengröße an – vom Fräsen und Stanzen der Bauteile über die Polissage bis hin zum Zusammenbau mit den aufwendig verschraubten oder gestifteten Federstegen und Faltschließen sind nicht selten genauso viele Schritte nötig wie zur Fertigung des Rohwerkes einer mechanischen Uhr.

Wer sich heute eine Stahluhr kauft, sollte sich von unseren Experten die Besonderheiten und Unterschiede des jeweiligen Armbandes aufzeigen lassen. Im Kern unterscheidet man heute bei den Bändern drei Kategorien.

Kennen Sie die drei Bandkategorien bei Edelstahluhren?

  1. Das Gehäuse mit klassischen Bandanstößen, die auch für Lederbänder oder Kautschukbänder geeignet sind, aber eine Lücke zwischen Federsteg und Gehäuse lassen, wie zum Beispiel bei der Superocean Héritage von Breitling. Die Vorbilder dieser Uhren stammen meist aus den späten Fünfziger Jahren. Heute haben diese Uhren einen lässigen Vintage-Touch, zumal mit filigranen Milanaise-Armbändern. Darunter versteht man feine Mesh-Gewebe aus Metall, die in bis zu achtzig Einzelschritten montiert werden. Sie tragen sich im Sommer sehr angenehm und haben tatsächlich einen leicht kühlenden Effekt, da zwischen den Gliedern die Luft zirkuliert.
  2. Der zweite Bandtyp sind die sogenannten integrierten Bänder mit ebensolchen Bandanstößen, wie zum Beispiel bei der Nautilus von Patek Philippe oder der Royal Oak von Audemars Piguet. Diese Modelle zeichnen sich durch einen hohen Tragekomfort aus, da sich die Uhr fast schon wie ein Armband ums Handgelenk schmiegt. Bedenken sollten Käufer jedoch, dass an solche Modelle in der Regel nur selten andere Bänder aus Leder oder Kautschuk passen, sofern sie der Hersteller nicht selbst anbietet.
  3. Der dritte Typus ist das klassische Gliederarmband mit Anstößen, die harmonisch an das Gehäuse angepasst sind, wie es Rolex seit Ende der Dreißiger Jahre anbietet. Zunächst wurde es aus vernietetem Metallblech gefertigt, heute verwenden die Schweizer ausschließlich Edelstahl höchster Güte. Das Oysterband gilt in Verbindung mit der patentierten „Oysterlock“-Schließe zu Recht als Mercedes unter den Armbändern. Übertroffen wird das System nur noch vom hauseigenen Rolex-Glidelock-Verlängerungssystem für die Taucheruhrenreihe, das wie alle Rolex-Gehäuse aus Edelstahl 904L besteht. Diese Stahlsorte zeigt sich noch resistenter gegen Umwelteinflüsse durch Salzwasser als der sonst heute verwendete Chirurgenstahl 316L, auf den die meisten Hersteller setzen.
Markant, sportlich und ausgesprochen hochwertig – die Vacheron Constantin Overseas setzt viele Maßstäbe.
Mit ihrem silbernen Zifferblatt lässt sich die Vacheron Constantin Overseas vielseitig kombinieren.
Faustregel: Am Handgelenk sollten Armband und Gehäuse in der Seitenansicht immer einen Kreis formen.
Die Rolex Milgauss überrascht durch ihren orangefarbenen Sekundenanzeiger, der einem Blitz nachempfunden ist.
Für welches Armband Sie sich entscheiden ist Geschmackssache. Ich persönlich finde integrierte Bänder eleganter als jene mit Bandanstößen. Die Wirkung hängt jedoch entscheidend vom Durchmesser des Modells ab.

Hier empfehle ich als Faustregel: Das äußere Ende der Bandanstöße sollte niemals über das Handgelenk hinausragen. Das Armband darf sich in seitlicher Ansicht nie u-förmig um das Handgelenk legen, sondern sollte mit dem Gehäuse immer einen Kreis formen. Sonst verliert die Uhr ihr Erscheinungsbild, das immer aus Armband und Gehäuse besteht.

Für Sammler ist es wichtig zu wissen, dass – im Gegensatz zu vielen Modellen mit Lederarmband, bei denen nur die Schließe als werterhaltend betrachtet wird – das Originalband bei Edelstahlmodellen wesentlicher Bestandteil der Uhr ist. Dafür lassen sich diese Bänder aber auch ein Leben lang überholen, was zum Siegeszug dieser Uhrenkategorie ebenfalls beigetragen haben dürfte.

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