Uhrenlexikon

Was versteht man unter einem Achttagewerk oder unter einer Savonette? Was verbirgt sich hinter der Abkürzung COSC? In unserem Lexikon entdecken Sie Wissenswertes aus der Welt der Uhren.

Achttagewerk

Mechanisches Uhrwerk von besonderer Konstruktion, das eine Gangautonomie von mindestens 168 Stunden oder einer Woche aufweist. Bei der gegen 1913 vorgestellten „Hebdomas“ („sieben Tage“) überspannte das Federhaus die gesamte Werksfläche. Lang laufende Formwerke aus den 1930er Jahren verfügten über Federhäuser normaler Größe, hatten dafür jedoch über einen um zwei Zwischenräder ergänzten Rädersatz. Bei Pendel- und sonstigen Großuhren stellt ein Achttagewerk keine Besonderheit dar. Seit 1990 gibt es wieder interessante Armbanduhren mit langer Gangdauer. Damit das Aufziehen bei diesen mechanischen Marathonläufern nicht in Vergessenheit gerät, sind sie meist mit einer Gangreserveanzeige ausgestattet. Analoge Zeitanzeige

Analoge Zeitanzeige

Zeitanzeige per Zeigerpaar. Die aktuelle Uhrzeit ergibt sich aus der Stellung von Stunden- und Minutenzeiger zueinander. Heute besitzen – abgesehen von wenigen Ausnahmen – wieder alle hochwertigen Armbanduhren eine analoge Zeitanzeige. Die elektronische Digitaluhr, die in den 1970er Jahren den Markt dominierte, hat ihre Bedeutung weitestgehend eingebüßt.

Anglierung

Merkmal feiner und feinster Uhren sind u. a. die gebrochenen Kanten der Stahlteile. Die Anglierung wird entweder maschinell mit sog. Pantographen (Storchenschnäbel) angebracht oder bei Luxusuhren auf höchstem Niveau in überlieferter Form per Feile von Hand ausgeführt. Idealerweise beträgt der Kantenwinkel exakt 45 Grad. Die Anglierung besitzt keine Auswirkungen auf die Funktion des Uhrwerks.

Anker

Eines der kompliziertesten Teile mechanischer Uhren, in der Form eines Schiffsankers, daher auch der Name. Der Anker wird aus Messing oder Stahl gefertigt. Er besteht aus verschiedenen Komponenten, darunter Ankerkörper, -welle und -paletten sowie Sicherheitsstift. Seine Aufgabe besteht zum einen darin, die Kraft vom Räderwerk auf die Unruh zu übertragen, um deren Schwingungen aufrechtzuerhalten. Zum anderen verhindert er das ungebremste Ablaufen des aufgezogenen Räderwerks.

Ankerhemmung

Heute die am weitesten verbreitete Hemmung bei mechanischen Uhren. Erfunden wurde sie gegen 1710 für Großuhren vom englischen Uhrmacher George Graham (sog. Grahamhemmung). Sein Schüler Thomas Mudge entwickelte die Ankerhemmung ab 1757 so weiter, dass sie auch in Taschenuhren Verwendung finden konnte. In tragbaren Uhren findet man – entsprechend je nach Form des Ankers – unterschiedliche Typen der Ankerhemmung: Die englische Spitzzahn-Ankerhemmung, die Glashütter Ankerhemmung, die Schweizer Ankerhemmung oder die Stiftankerhemmung. Bei hochwertigen Armbanduhren beherrscht mittlerweile die Schweizer Ankerhemmung unangefochten das Feld. Die Stiftankerhemmung findet man nur noch vereinzelt in sehr einfachen, preiswerten Uhrwerken.

Antimagnetisch, korrekt amagnetisch

Eine Uhr ist amagnetisch, wenn sie gegen die negativen Einflüsse magnetischer Felder geschützt ist. Zu diesem Zweck werden anfällige Komponenten aus Metallen hergestellt, die sich nicht oder zumindest nur schwer magnetisieren lassen (z. B. verwendet man Elinvar- oder Nivarox-Spiralen zusammen mit Unruhn aus Messing, Nickel oder Berylliumbronze. Daneben kommen verschiedentlich auch nichtmagnetische Metalle für Anker, Ankerrad und Hebelscheibe zum Einsatz). Eine andere Möglichkeit besteht darin, das ganze Werk mit einem (Zusatz-) Gehäuse aus einer sehr leitfähigen Legierung zu umgeben. Es verhindert den Aufbau von Magnetfeldern in seinem Inneren. Eine Uhr darf dann als amagnetisch bezeichnet werden, wenn sie in einem Magnetfeld von 4.800 A/m (Ampere/Meter) weiterläuft und anschließend eine Gangabweichung von höchstens 30 Sekunden/Tag aufweist. Ist eine Uhr magnetisch geworden, was sich i.d.R. durch deutliches Nachgehen bemerkbar macht, kann eine Uhrmacherwerkstatt per Entmagnetisierungsdrossel Abhilfe schaffen.

Autokompensierende Spirale

Aus Federstahl gefertigte Unruhspiralen verändern ihre Elastizität bei Temperaturschwankungen. Dadurch ändert sich der Gang einer Uhr. Um dem entgegenzuwirken, wurden Präzisionsuhren mit einer Bimetall-Unruh ausgestattet. 1933 gelangten autokompensierende Spiralfedern unter dem Namen „Nivarox“ auf den Markt. Die Legierung aus verschiedenen Metallen versetzte sie in die Lage, Temperaturschwankungen selbst auszugleichen. Mittlerweile finden Nivarox-Spiralen zusammen mit monometallischen Glucydur-Unruhn in allen hochwertigen Armbanduhren Verwendung.

Automatischer Aufzug

Zusatzmechanismus, der die (Arm-)Bewegungen zum Spannen der Zugfeder einer mechanischen Uhr nutzt. Als Erfinder der tragbaren Uhr mit automatischem Aufzug gilt Abraham Louis Perrelet. 1770 stellte der uhrmacherische Autodidakt zwei unterschiedliche Konstruktionen vor: eine mit Pendelschwungmasse und eine andere mit unbegrenzt drehendem Rotor. Dadurch sollte der Aufzugsschlüssel überflüssig werden. Mangels hinreichender Bewegung konnten die Selbstaufzugssysteme bei Taschenuhren nicht effizient arbeiten. Die Verbreitung hielt sich in Grenzen. Erst die Armbanduhren, die an einer der bewegtesten Körperstelle getragen werden, verhalfen dem automatischen Aufzug zum Durchbruch. Den Anfang machte der Pariser Uhrmacher Léon Leroy im Jahre 1922. Die erste Serien-Armbanduhr mit automatischem Aufzug geht auf den Engländer John Harwood zurück. Er ließ sie 1924 patentieren. 1931 stellte Rolex die erste Armbanduhr mit (einseitig wirkendem) Rotoraufzug vor. 1942 präsentierte der Rohwerkehersteller Felsa ein sich beidseitig aufziehendes Uhrwerk. Mit dem Kugellagerrotor schuf Eterna 1948 die Voraussetzung für zukunftsweisende Selbstaufzugssysteme. Nach der Quarz-Krise setzte 1983 die Renaissance des automatischen Aufzugs bei Armbanduhren ein.

Äquationsanzeige

Wegen der elliptischen Umlaufbahn der Erde um die Sonne sowie der geneigten Erdachse beträgt der Unterschied zwischen dem kürzesten und dem längsten Sonnentag im Jahreslauf 30 Minuten und 45 Sekunden. Weil die wahre Sonnenzeit mit ständig wechselnden Tageslängen im Alltagsleben beträchtliche Probleme nach sich ziehen würde, definierte man die mittlere Sonnenzeit. Die Dauer des mittleren Sonnentags (86.400 Sekunden), die von den gebräuchlichen Uhren indiziert wird, errechnet sich aus der durchschnittlichen Länge aller wahren Sonnentage. Die im späten 17. Jh. erfundene und inzwischen äußerst selten gewordene Äquationsanzeige stellt die Abweichung der mittleren von der wahren Sonnenzeit dar. Maxima gibt es Mitte Februar (+14 Min. 24 Sek.) und Anfang November (-16 Min. 21 Sek.). Viermal jährlich (jeweils um den 16.4., 14.6., 1.9. und 25.12.) sind die Länge des wahren und des mittleren Sonnentags identisch. Die jeweilige Differenz wird in den Umfang einer nierenförmigen Scheibe einprogrammiert, die sich einmal jährlich um ihre Achse dreht. Ein aufwändiger Mechanismus tastet die Zeitgleichung ab, um sie auf einen zusätzlichen Minutenzeiger oder ein zweites Zeigerpaar zu übertragen.

Baguette-Kaliber

Stabförmiger, in den 1920er und frühen 1930er Jahren ausgesprochen erfolgreicher Uhrwerkstyp, dessen Proportionen (Längs-/Querseite) in einem Verhältnis von mindestens 3:1 stehen.

Beryllium

Silberweißes, schmiedbares Metall aus der Gruppe der Erdalkalimetalle. Legierungen mit Berylliumzusatz zeichnen sich durch eine außerordentliche Härte, Festigkeit und Elastizität aus. In Uhren wird Berylliumbronze z. B. zur Herstellung von Unruhn verwendet (Glucydur).

Bicolor-Gehäuse

Uhrengehäuse in einer Materialkombination von zwei verschiedenfarbigen Metallen, wie Edelstahl und Gelbgold, Weißgold und Gelbgold, Rotgold und Gelbgold. Verschiedentlich werden die gelben Partien auch nur vergoldet.

Bimetallische Unruh

Bis zur Erfindung der autokompensierenden Unruhspirale kamen bei hochwertigen mechanischen Uhren bimetallische Kompensationsunruhen zum Einsatz. Ihr an den Schenkeln aufgeschnittener Reif bestand aus zwei Metallen (Stahl und Messing) mit unterschiedlichen Ausdehnungskoeffizienten bei Temperaturschwankungen. Auf diese Weise wirkte der wechselnde Trägheitsmoment den thermisch bedingten Längenänderungen der Unruhspiralen aus Federstahl entgegen.

Blaue Zeiger und Schrauben

Im Stil langer handwerklicher Tradition blau angelassene Stahlteile. Das Bläuen erfordert viel Fingerspitzengefühl und Erfahrung. In einer kleinen Pfanne werden die Teile über einer Flamme erhitzt. Bei knapp 300 Grad nimmt die Oberfläche die gewünscht bläuliche Farbe an.

Blindenarmbanduhr

Armbanduhr mit einem besonders robusten Zeigerwerk, bei der sich das Glas samt Glasrand zum Zweck des Abtastens der Uhrzeit aus der Zeigerstellung hochklappen lässt. Blindenuhren besitzen zudem meist erhabene, in Punktschrift dargestellte Stundenindices.

Breguetspiral

Den entscheidenden Beitrag zur Optimierung der Unruhspirale leistete Abraham-Louis Breguet. Der geniale Uhrmacher erkannte die Bedeutung der Endkurve für das konzentrische „Atmen“ der Unruhspirale. 1795 präsentierte er die später nach ihm benannte „Breguetspirale“. Ihr typisches Erkennungszeichen bestand und besteht in einem hochgebogenen äußeren Ende. Dieses vermeintlich marginale Detail bringt in aller Regel das letzte Quäntchen an Präzision. Ab etwa 1860 beschäftigte sich Edouard Philips ausgiebig mit der Spiralfeder und ihren Formen. Seine Untersuchungen, publiziert ab 1861, haben bis heute nichts an Aktualität eingebüßt. Die Tabellen und grafischen Vorlagen des französischen Mathematikprofessors bildeten eine unverzichtbare Basis für die Ausformung der Unruhspirale. Infolge der beträchtlichen Herstellungskosten sind Breguetspiralen heute nur noch in sehr hochwertigen Kalibern zu finden.

Breguetzeiger

Beliebte, sehr elegante und klassische Zeigerform mit einem Loch in der Spitze.

Brücke

Speziell ausgeformtes Metallteil, in dem sich mindestens ein Zapfen eines Drehteils einer Uhr bewegt. Eine Brücke ist an beiden Enden mit der Platine verschraubt, in der sich das/die Gegenlager befindet/befinden. Die Brücken erhalten ihren Namen normalerweise nach demjenigen Drehteil, für das sie ein Lager sind, z. B. Minutenradbrücke oder Federhausbrücke.

Brückenwerk

Die Räder des Uhrwerks werden unter einzelnen Brücken gelagert, die ihrerseits mit der Platine verschraubt sind.

Cäsiumuhr

Komplexe Variante der Minutenrepetition, bei der die Viertelstunden von drei Hämmern auf drei Tonfedern geschlagen werden sowie durch das Spielwerk (Carillion) eine Tonfolge bzw. Melodie ertönt.

Carillon

Komplexe Variante der Minutenrepetition, bei der die Viertelstunden von drei Hämmern auf drei Tonfedern geschlagen werden sowie durch das Spielwerk (Carillion) eine Tonfolge bzw. Melodie ertönt.

Chaton

Kreisrundes, gebohrtes Metallstück zur Aufnahme eines Lagersteins, durch Einpressen oder Verschrauben im Uhrwerk befestigt. Ursprünglich erfüllten Chatons primär ästhetische Zwecke. Aus Gold oder goldähnlichem Metall gefertigt, sollten sie den Glanz und Effekt schöner Lagesteine erhöhen. Dann entdeckten die Uhrmacher die praktische Komponente. In fabrikgefertigten Chatons gefasste Steine ließen sich bei Bruch leicht ersetzen. Im Zuge der automatisierten Werkefertigung fanden Chatons noch größere Verbreitung. Stanzen brachten die Löcher zur Aufnahme der Chatons sehr präzise an. Erst als die Steinfabrikanten ihre Produkte in durchgängig einwandfreier Qualität und exakt gleicher Größe anboten, erübrigten sich Chatons. Die Steine wurden unmittelbar in Brücken-, Kloben- und Platinenbohrungen eingepresst. Vor allem Glashütter Uhrenmanufakturen verwenden heute aus optischen Gründen wieder verschraubte Chatons.

Chronograph

Unter Chronograph oder – sprachlich korrekt – Chronoskop versteht man eine Uhr mit Stunden- und Minutenzeiger, deren spezieller Zusatzmechanismus das Starten, Stoppen und Nullstellen eines – meist – zentral positionierten Sekundenzeigers per Knopfdruck ermöglicht. Die Zeitanzeige bleibt davon unberührt. Je nach Ausführung besitzen Chronographen zudem Zählzeiger für die seit Beginn der Stoppung verstrichenen Minuten und Stunden. Nach Betätigung des Nullstelldrückers springen auch die Zählzeiger in ihre Ausgangsposition zurück. Seit den 1930er Jahren dominierte der Zweidrückerchronograph. Ein Drücker dient dem Starten und Anhalten, der andere dem Nullstellen. Diese Chronographen ermöglichen Additionsstoppungen, d. h., der Chronographenzeiger kann beliebig oft angehalten und aus der zuletzt eingenommenen Position heraus erneut gestartet werden. Abhängig von der Unruhfrequenz können mechanische Armbandchronographen bis auf die Zehntelsekunde genau stoppen.

Chronograph-Rattrapante

Dank eines Schleppzeiger-Mechanismus lassen sich zwei oder mehr Vorgänge simultan stoppen, sofern sie gleichzeitig beginnen – Wettrennen beispielsweise. Zu diesem Zweck ist der Schlepp- oder Einholzeiger über ein komplexes Zusatz-Schaltwerk mit dem Chronographenzeiger gekoppelt. Über einen speziellen Drücker lässt sich der Schleppzeiger beliebig oft anhalten und – z. B. nach dem Ablesen einer Zwischenzeit – mit dem unterdessen weiterlaufenden Chronographenzeiger wieder synchronisieren. Echte Schleppzeiger-Chronographen gibt es seit 1883. Armbanduhren mit Chronograph-Rattrapante wurden erstmals gegen 1920 angeboten. Wegen der aufwändigen und damit sehr kostspieligen Technik sind sie immer etwas Besonderes geblieben.

Chronometer

Präzisionsuhr, die ihre Ganggenauigkeit im Rahmen einer 15-tägigen Kontrolle bei einer offiziellen Uhren-Prüfstelle (z. B. COSC in der Schweiz) unter Beweis gestellt hat. In den fünf Lagen „Krone links“, „Krone oben“, „Krone unten“, „Zifferblatt oben“ und „Zifferblatt unten“ muss der mittlere tägliche Gang zwischen -4 und +6 Sekunden liegen; die mittlere tägliche Gangabweichung darf zwei Sekunden, die größte Gangabweichung fünf Sekunden nicht überschreiten. Alle Uhren werden bei Temperaturen von 23,8 und 38 Grad Celsius geprüft. Erst nach dem Bestehen der Chronometerprüfung darf eine Uhr auf dem Zifferblatt die Bezeichnung Chronometer tragen und mit einem entsprechenden Zertifikat vermarktet werden.

Cloisonné-Email

Durch Scheidewände separiertes Email. Auf diese Weise wird die Vermischung des flüssigen Materials verhindert. Aus etwa 0,007 mm breitem und etwa 1 mm hohem Golddraht biegen Handwerker die sog. Cloisons, die – auf dem Zifferblattkörper befestigt – in ihrer Summe ein Motiv ergeben. Je kleiner die Zifferblätter oder die Motive sind, desto schwieriger wird die Aufgabe des Cloisonneurs. Nach Vollendung des Drahtmotivs werden die kleinen Cloisons mit verschiedenfarbigem Email gefüllt. Bis zu fünf Schichten des feinkörnigen Materials müssen hierzu mit einem Gänsefederkiel aufgebracht werden. Nach jedem Farbauftrag ist ein Brennvorgang erforderlich. Dabei verbinden sich die unteren mit den oberen Schichten zu einem nuancenreichen Farbenspiel. Weil die Golddrähte das Email zum Schluss immer noch überragen, werden sie von Hand abgeschliffen. Erst dann kann der Cloisonneur die abschließende Handpolitur vornehmen.

COSC

Contrôle Officiel Suisse des Chronomètres (Offizielle schweizerische Chronometer-Prüfstelle). Eidgenössische Behörde mit Hauptsitz in La Chaux-de-Fonds sowie Niederlassungen in Biel, Genf und Le Locle, die alle offiziellen Chronometerprüfungen durchführt und die entsprechenden Gangzeugnisse ausstellt. Die Bezeichnung COSC existiert seit 1973.

Datumsanzeige

Indikation des Datums entweder analog durch einen Zeiger oder digital durch eine bedruckte Scheibe. Zeiger und Scheibe drehen sich innerhalb von 31 Tagen einmal um ihre Achse. Sie werden täglich gegen Mitternacht über das Zeigerwerk um eine Position weitergeschaltet. Beim sog. Zeigerdatum sind die Zahlen von 1 bis 31 auf das Zifferblatt gedruckt. Die Spitze des Zeigers zeigt auf das aktuelle Datum. Armbanduhren mit digitaler Datumsanzeige verfügen über eine auf der Werksvorderseite angebrachte Datumsscheibe. Die Zahlen sind durch einen Zifferblatt Ausschnitt sichtbar. Eine ins Glas eingeschliffene Lupe verbessert die Ablesbarkeit. Grundsätzlich zu unterscheiden sind schleichende und springende Datumsanzeigen. Erstere werden vom Werk allmählich fortgeschaltet. Springende Indikationen entziehen dem Uhrwerk im Laufe des Tages sukzessive Kraft und speichern sie in einer Feder. Die Energie wird exakt um Mitternacht für den Schaltvorgang freigesetzt. Neben digitalen Datumsanzeigen mit einem Ring gab und gibt es auch solche mit zwei Scheiben, zwei konzentrisch angeordneten Zahlenscheiben oder mit einer Scheibe und einem Kreuz. Ein Teil indiziert die Zehner-, das andere die Einerziffer des Datums. Diese Großdatumsanzeigen lassen sich naturgemäß besser ablesen als die normalen Indikationen mit nur einem Fenster.

Datumsgrenze

Gemäß internationaler Vereinbarung eine etwa mit dem 180. Längengrad zusammenfallende Grenzlinie auf der Erdoberfläche. Die Datumsgrenze verläuft über dem Pazifischen Ozean nahe Neuseeland und den Fidschi-Inseln. Beim Überschreiten der Datumsgrenze in westlicher Richtung müssen ein Tag und ein Datum übersprungen werden; in entgegengesetzter Richtung Reisende dürfen hingegen einen Tag und ein Datum zweimal hintereinander zählen. Nur so können die bei einer Weltreise auftretenden Datumsdifferenzen kompensiert werden.

Deckstein

Uhrstein ohne Bohrung. Er wird mit seiner flachen Seite über einem Lochstein montiert, um das Höhenspiel der Welle zu begrenzen. Die Lager für die Unruhwelle sind in der Regel mit Decksteinen ausgestattet. Bei sehr hochwertigen Kalibern werden auch die Anker- und Ankerradlager mit Decksteinen versehen.

Digitale Zeitanzeige

Darstellung der Uhrzeit in Ziffern. Digitale Indikationen für Stunden, Minuten, Sekunden und/oder Datum wurden bereits vor der Erfindung der Quarzuhr verwendet. Bei mechanischen Zeitmessern rotieren entsprechend bedruckte Ringe oder Scheiben. Bei den elektronischen Quarz-Armbanduhren erfolgte die digitale Zeitanzeige zunächst über Lichtemissionsdioden (LED), die wegen des hohen Stromverbrauchs schon bald durch die Flüssigkristallanzeigen (LCD) ersetzt wurden.

Doppelseitige Uhr

Uhr mit je einem Zifferblatt auf der Vorder- und Rückseite. Doppelseitige Taschenuhren sind wesentlich häufiger zu finden als entsprechende Armbanduhren. Moderne doppelseitige Armbanduhren gibt es z. B. von Jaeger-LeCoultre „Reverso duo-face“ oder von Patek Philippe „Sky Moon Tourbillon“.

Doppeltes Uhrwerk

Uhr mit zwei völlig getrennten Uhrwerken (Handaufzug, Automatik, Quarz), um z. B. zwei unterschiedliche Zonenzeiten anzuzeigen. Das Problem von Armbanduhren mit doppeltem Werk besteht insbesondere bei mechanischen Modellen in der gelegentlichen Zeitabweichung, bedingt durch Gangdifferenzen.

Doublé

Französischstämmiges Wort, kommt von doubler: verdoppeln.Uhren mit Doublé-Gehäusen scheinen auf den ersten Blick wertvoller, als sie tatsächlich sind. Auf ein in der Regel unedles Basismaterial wird eine mehr oder minder dünne Schicht aus Edelmetall aufgebracht, z. B. gewalzt. Ist dies Gold, spricht man von Walzgold-Doublé. Daneben gibt es aber auch Silber- oder Platin-Doublé. Die Stärke der Edelmetall-Auflage wird in Mikron (tausendstel Millimeter) angegeben. Die Angabe 20 Mikron besagt also, dass die Edelmetall-Schicht 20/1.000 oder 2/100 mm beträgt. Doublé-Armbanduhren haben den Nachteil, dass die Edelmetall-Auflage im Laufe der Zeit – je nach Beanspruchung und Schweißanfall – abgeht. Häufig wird der Boden bei Doublé-Uhren aus robustem Edelstahl hergestellt.

Drehgestell

Feiner Käfig aus Stahl oder – bei modernen Armbanduhren – auch aus Titan oder Aluminium, der bei Uhren mit Tourbillon zur Aufnahme des Schwing- und Hemmungssystems (Unruh, Unruhwelle, Unruhspirale, Anker, Ankerrad) dient. Das Drehgestell rotiert in der Regel einmal pro Minute um seine Achse. Es soll fest, filigran und möglichst leicht sein. Seine Herstellung gehört zu den aufwändigsten uhrmacherischen Arbeiten.

Dreiviertelplatine

Im Gegensatz zum Brückenwerk wird nahezu das gesamte Räderwerk (Ausnahme Anker, Ankerrad und Unruh) unter einer weiteren Platine gelagert. 3/4-Platinenwerke kommen in amerikanischen, englischen und vor allem in Glashütter Uhren zur Anwendung.

Drücker

Der Teil, mit dem sich eine Funktion steuern lässt, bei Savonnettes z. B. das Öffnen des Sprungdeckels, bei Chronographen das Starten, Stoppen und Nullstellen, bei manchen Repetitionsuhren das Auslösen des Schlagwerks, bei Weltzeituhren das Verstellen der Zonenzeiten.

Edelmetall

Für die Gehäuse von Armbanduhren werden in aller Regel die Edelmetalle Gold, Platin und Silber verwendet. Gold gibt es mit einem Feingehalt von 333/1.000 (8 Karat), 375/1.000 (9 Karat), 585/1.000 (14 Karat) oder 750/1.000 (18 Karat). Die Legierung mit anderen Metallen (z. B. Kupfer) bestimmt den Farbton. 21-, 23- oder gar 24-karätiges Gold findet man z. B. bei Aufzugsrotoren. Bei Platin beträgt der Feingehalt 950/1000. Der Nachteil von Silbergehäusen besteht darin, dass sie sehr weich sind und zudem leicht oxidieren. Durch einen Überzug aus Gold (Vermeil) lässt sich das Anlaufen wirkungsvoll verhindern. Damit ergibt sich jedoch das gleiche Problem wie bei Doublé-Gehäusen: Starke Beanspruchung und Schweiß lassen über kurz oder lang das Basismaterial hervortreten.

Edelmetallkontrolle Schweizerische

Durch die am 1. August 1995 in Kraft getretene Teilrevision des schweizerischen Edelmetallkontrollgesetzes gelten in der Eidgenossenschaft für Gold, Silber und Platin folgende Feingehalte: Gold 333 585 750 916 999 Silber 800 925 999 Platin 850 900 950 999. Palladium ist mit folgenden Feingehalten als Edelmetall anerkannt: 500 950 999. Die Mindestschichtstärke für Gold-, Platin- und Palladium-Doublé wurde von 8 auf 5 Mikrometer (Mikron) gesenkt, für Silberplaque gelten 10 Mikron. Die Qualitätsbezeichnung „Coiffe or“ bleibt 200 Mikron-Goldüberzügen bei Uhrgehäusen und -bändern vorbehalten. Drastisch reduziert wurde die Zahl der amtlichen, nach der obligatorischen Überprüfung durch die schweizerische Edelmetallkontrolle vergebenen Stempelzeichen. Bis zum 31. Juli 1995 existierte pro Edelmetall und Feingehalt eine eigene Punze, seitdem gibt es nur noch den Kopf des Bernhardiners in Verbindung mit dem jeweiligen.

Edelstahl

Populäre Legierung aus den Metallen Stahl, Nickel und Chrom unter Beifügung von Molybdän oder Wolfram. Sie ist rostfrei, extrem widerstandsfähig und amagnetisch, jedoch vergleichsweise schwer zu bearbeiten. Armbanduhren mit EdelstahlGehäuse erfreuen sich seit Jahren zunehmender Beliebtheit. Dies gilt auch für Luxusuhren.

Einzeigrige Uhr

Die frühesten Räderuhren verfügten nur über einen Stundenzeiger. Auch die berühmte „Souscription“ von Breguet gehörte zu diesem Typ Zeitmesser. Das Ablesen der exakten Zeit ist dabei nur begrenzt möglich. Einzeigrige Uhren fürs Handgelenk gibt es auch, doch sind diese sehr selten.

Email

Französisches Wort für farbigen Glasfluss auf Metall. Er dient Letzterem als Schutz oder Zierde. Chemisch besteht Email aus Quarzsand und Flussspat unter Beifügung von Bleioxid, Borax und Soda. Bei 1.200 Grad Celsius wird das Gemisch zunächst geschmolzen, dann wird es abgeschreckt. Die entstehenden Körner werden mit Färbemitteln (Antimonaten, Zirkonoxid oder Titandioxid für weißes, Kobaltoxid, Chromoxid oder anderen Farbstoffen für buntes Email) zu einem Pulver gemahlen. Durch Streichen, Tauchen oder Spritzen wird die saubere Metallbasis mit Email beschichtet und im Spezialofen bei 800 bis 900 Grad Celsius gebrannt. Bei Uhren (Zifferblätter und Gehäuse) findet die Emailtechnik seit mehr als 350 Jahren Anwendung. Nach der Jahrhundertwende gehörte das Email-Zifferblatt bei feinen Armbanduhren beinahe zur Standardausrüstung. Seit einigen Jahrzehnten ist es – auch aus Kostengründen – extrem rar geworden.

Energie

Gespeicherte Arbeitsfähigkeit. Zum Antrieb von Uhren ist ein Energiepotenzial erforderlich. Dies kann bei mechanischen Uhren eine gespannte Zugfeder (Federkraftantrieb) oder ein hochgezogenes Gewicht (Schwerkraftantrieb) sein. Bei Quarzuhren wird die erforderliche elektrische Energie in Akkumulatoren, Batterien oder Kondensatoren gespeichert.

Etablisseur

Uhrenhersteller, der Komponenten (Werk, Zifferblatt, Zeiger, Gehäuse etc.) bei spezialisierten Fabrikanten einkauft und zu fertigen Zeitmessern verarbeitet.

Ewiger Kalender (Immer Währender Kalender)

Komplexes Kalenderwerk, bestehend aus etwa 100 Teilen, das die unterschiedlichen Monatslängen bis zum 28. Februar 2100 ohne manuelle Korrektur berücksichtigt. In der Regel ist es auf einer eigenen Platine montiert und zifferblattseitig auf einem normalen Uhrwerk befestigt. Die Informationen über die Monatsdauer liefert der Monatsnocken, eine Programmscheibe, deren Rand unterschiedlich tiefe Ausfräsungen besitzt. Das bislang kleinste ewige Kalendarium besitzt einen Durchmesser von 23 mm. Armbanduhren mit ewigem Kalendarium gibt es seit 1927 (Patek Philippe). Serien-Modelle mit Handaufzugswerk sind seit 1941 erhältlich. 1962 kam die Uhr mit automatischem Aufzug und ewigem Kalender auf den Markt. Neben den rein mechanischen gibt es auch ewige Kalendarien elektronischer Natur. Hierbei sorgt ein entsprechend programmierter Chip für die korrekte Indikation. Der immer währende Kalender ist schon in Genfer astronomischen Uhren zu Beginn des 17. Jahrhunderts zu finden.

Ébauche

In der französischen Uhrmachersprache wird das Rohwerk einer Uhr als Ébauche (französischer Begriff für Entwurf) bezeichnet. Ein funktionsfähiges Uhrwerk besteht aus Ebauche, Hemmung (Echappement), Unruhreif mit Spiralfeder, Zugfeder, Zifferblatt und Zeigern. Unter Ebauche ist ein komplettes Werk (Platinen, Brücken, Rädersatz, Stahlteile, etc.) ohne Hemmung, Unruhreif, Spiralfeder, Zugfeder, Zifferblatt und Zeiger zu verstehen. Auf Wunsch ist es heute mit oder ohne eingepressten Lagersteinen erhältlich. Im Umgang mit Rohwerken taucht gelegentlich auch der Terminus „Schablone“ auf. Hierbei handelt es sich um einen nicht zusammengebauten Satz aller oder verschiedener Teile eines Kalibers. Rohwerke werden von spezialisierten Firmen (z. B. Eta, Nouvelle Lémania, Frédéric Piguet) gefertigt.

Fabrikmarke

Viele Uhrenfirmen und Ebauchesfabrikanten verwendeten und verwenden zur Signatur neben ihrem Namenszug auch eine sog. Fabrikmarke. Dabei handelt es sich um ein – möglichst leicht – wiedererkennbares Logo. Bei Uhrwerken kann die Fabrikmarke an höchst unterschiedlichen Stellen angebracht sein. Häufig findet man sie an vom Zifferblatt verdeckter Stelle auf der Vorderseite der Platine. Rohwerkefabrikanten positionieren ihre Fabrikmarke – zusammen mit der Kalibernummer – aber auch gern in der Nähe des Unruhklobens unter der Unruh. Gehäuse tragen die Fabrikmarke meist auf der Innenseite des Bodens. Manche Hersteller verewigen ihr Logo aber auch außen, z. B. auf der Krone, dem Boden und/oder dem Zifferblatt.

Facette

Bei sehr feinen Uhren besitzen die Stahl- und Messingteile facettierte Kanten (Anglierung). Diese Kantenflächen sollten idealerweise im Winkel von 45 Grad angebracht sein.

Fälschungen

Das Thema Fälschungen ist bei Uhren nicht erst seit dem ungehemmten Massentourismus nach Fernost hochaktuell. Bereits Abraham Louis Breguet (1747–1823) musste sich zu Lebzeiten durch eine Geheimsignatur gegen den Missbrauch seines Namens schützen. Obwohl die namhaften Uhrenfirmen konsequent gegen das Fälschertum vorgehen, ist der Kampf fast aussichtslos. Jedem zerstörten Plagiat folgen zwei neue. Moderne „Fakes“ sind mehr oder minder gute Kopien gängiger Modelle, bei denen es hauptsächlich auf den Wiedererkennungswert und/oder die Signatur ankommt. Qualität spielt eine untergeordnete Rolle. Die kriminelle Energie richtet sich dabei weniger gegen den Käufer, der in der Regel weiß, was er für sein Geld bekommt. Geschädigt werden nahezu alle Luxusmarken. Zertifikate, Rechnungen und Etuis schützen vor Fehlkäufen schon lange nicht mehr. Sie werden ebenfalls massenhaft gefälscht.

Feder

In Uhrwerken kommen Federn unterschiedlichster Natur zum Einsatz. Neben Unruhspirale und Zugfeder sind dies vor allem Sperr- und Haltefedern.

Federhaus

Das Federhaus besteht aus einer gezahnten Scheibe und einem zylindrischen Gehäuse, welches i. d. R. durch einen Deckel verschlossen wird. Es dreht sich frei auf einer Welle. Im Inneren ist die Zugfeder aufgewickelt. Das Federhaus greift in den ersten Trieb des Räderwerks einer mechanischen Uhr ein.

Federsteg

Dünner Stab zur Montage eines „geschlossenen“ Armbands zwischen den Bandanstößen. Die beiden zapfenförmigen Enden werden von einer zylindrischen Spiralfeder nach außen gedrückt. Zur Montage eines Armbands schiebt man Federstege durch die Schlaufen der beiden Teile. Danach werden die federnden Enden zwischen die „Hörner“ geschoben, wo sie in den entsprechenden Bohrungen einrasten.

Feingehalt

Das Verhältnis zwischen dem Gewicht des in einer Legierung enthaltenen Edelmetalls (z. B. Platin, Gold, Silber) und dem Gesamtgewicht. Der Feingehalt wird heute in Tausendsteln oder Karat ausgedrückt. Reines Gold entspricht 1.000/1.000 oder 24 Karat. Der Wert eines Karats beträgt 1/24 des Gesamtgewichts, also 41,6667. 14 Karat entsprechen demnach 585/1.000, 18 Karat 750/1.000.

Feinregulierung

Mechanismus zur fein dosierten Betätigung des Rückers. In mechanischen Werken kommt eine Vielzahl unterschiedlicher Konstruktionen zur Anwendung, darunter die exklusive Schwanenhals-Feinregulierung oder das weit verbreitete System mit Exzenterschraube. Die weit verbreitete Meinung, eine Feinregulierung bringe eine höhere Präzision mit sich, ist nicht haltbar. Uhren lassen sich auch mit einem ganz normalen Rückerzeiger sehr genau regulieren. Dieser Vorgang erfordert allerdings sehr viel Fingerspitzengefühl.

Feinstellung

Eliminierung möglichst aller Determinanten, die den Gang einer Uhr negativ beeinflussen können. Der Grad der Feinstellung resultiert aus dem Anspruch des jeweiligen Herstellers und wirkt sich somit auch auf den Preis aus.

Finissage

Fein- oder Fertigbearbeitung einer Uhr.

Flachspirale

Die flache Spiralfeder wurde 1675 von Christian Huygens erfunden. Die Ansteckpunkte an Unruhwelle (Spiralrolle) und Unruhkloben (Spiralklötzchen) liegen auf einer Ebene. Flachspiralen besitzen – im Gegensatz zu den Breguetspiralen – den Nachteil, sich während der Ausdehnung und des Zusammenziehens nicht exakt konzentrisch zu entwickeln. Dies kann sich negativ auf die Gangresultate auswirken. Moderne mechanische Uhrwerke besitzen meist Flachspiralen, bei denen eine spezielle Formgebung besagten Nachteilen entgegenwirkt.

Formwerk

Uhrwerk, das nicht rund ist. Speziell für Armbanduhren gab es die unterschiedlichsten Formen von Uhrwerken (tonneauförmig, baguetteförmig, rechteckig). Heute sind Formwerke ausgesprochen rar geworden.

Frequenz

Schwingungen pro Zeiteinheit, gemessen in Hertz (Hz). Bei ortsfesten Uhren findet man als gangregelndes Organ primär das Pendel, während mobile Uhren eine Unruh besitzen. Beide bewegen sich mit einer bestimmten Frequenz hin und her. Das Pendel einer Sekundenpendeluhr benötigt von Umkehrpunkt zu Umkehrpunkt exakt eine Sekunde. Es verfügt also über eine Frequenz von 0,5 Hz oder 1.800 Halbschwingungen/Stunde (A/h). Frühe Unruhschwinger brachten es auf 7.200 bis 9.000 A/h. Bei Taschenuhren wurde die Frequenz zunächst auf 12.600 und später auf den allgemein üblichen Standard von 18.000 A/h (2,5 Hz) gesteigert. Auch bei den Armbanduhren entwickelte sich diese Unruhfrequenz anfänglich zur gängigen Norm. Zur Steigerung der Präzision erhöhten die Uhrenfabrikanten die Schlagzahl auf 21.600 A/h (3 Hz), 28.800 A/h (4 Hz) oder gar 36.000 A/h (5 Hz). Allerdings ist mit einer höheren Unruhfrequenz auch ein größerer Energiebedarf verbunden. Außerdem bringen zunehmende Rotationsgeschwindigkeiten und Zentrifugalkräfte beträchtliche Schmierungsprobleme mit sich. Moderne Quarzuhren weisen eine Frequenz von 32.768 Hz auf.

Funkuhr

1978 beauftragte das Bonner Gesetz über die Zeitbestimmung (Zeitgesetz) die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB), Braunschweig, mit der „Darstellung und Verbreitung der gesetzlichen Zeit“. Hierfür stehen ihr vier hochgenaue Cäsium-Atomuhren zur Verfügung. Sie bewahren die Zeit über 100.000-mal genauer als die Erde. Gemäß gesetzlichem Auftrag wird diese über den Langwellensender DCF 77 in Mainflingen nahe Frankfurt am Main verbreitet. Der im Umkreis von 1.500 km ausgestrahlten Signale kann sich jedermann frei bedienen. Er braucht nur einen passenden Empfänger, Funkuhr genannt. Darüber wird frei Handgelenk die genaue Zeit geliefert, dazu Datum, Wochentag und Monat. Bei vorübergehendem Signalausfall oder außerhalb des Empfangsbereichs sorgt übrigens ein normales Quarzwerk für die Bewahrung der Zeit. Sobald das nächste Funksignal eintrifft, werden die Anzeigen automatisch mit dem Stand der Braunschweiger Cäsium-Normale synchronisiert.

Gangdauer

Auch Gangautonomie: gesamte Laufzeit eines mechanischen Uhrwerks, also der Zeitraum zwischen dem vollständigen Aufzug und dem Stehenbleiben wegen Entspannung der Zugfeder.

Gangreserve

Über das normale Aufzugsintervall einer Armbanduhr (24 Stunden) hinausreichendes Energiepotenzial. Üblicherweise bewegt sich die Gangreserve in einer Größenordnung zwischen 10 und 16 Stunden. Allerdings lässt die Antriebskraft der Zugfeder in dieser verbleibenden Zeitspanne nach, was zu einer Reduzierung der Gangleistung führt.

Gangreserveanzeige (Réserve de March)

Auch Auf-Ab-Werk. Indikation der verbleibenden Gangreserve bei mechanischen Uhrwerken. Sie fand ursprünglich vorwiegend bei Marine-Chronometern Verwendung, weil das Stehenbleiben und damit der Verlust der genauen Zeit auf hoher See lebensgefährlich sein konnte. Jeder Blick aufs Zifferblatt offenbarte deshalb den Spannungszustand der Zugfeder. Als sich der automatische Aufzug in den 1950er Jahren anschickte, die Handgelenke auf breiter Front zu erobern, spielte die Gangreserve-Indikation abermals eine wichtige Rolle. Sie verdeutlichte die einwandfreie Funktion des Selbstaufzugs. Nachdem Gangreserveanzeigen für viele Jahre nahezu völlig vom Markt verschwunden waren, erfreut sich diese Zusatzfunktion heute wieder großer Beliebtheit.

Gehäuse

Schützende Hülle einer Uhr. Gehäuse gibt es in den unterschiedlichsten Ausführungen und Materialien. So unterscheidet man bei Taschenuhren u. a. zwischen offenen (Lépine) oder geschlossenen Gehäusen (Savonnette). Für Armbanduhren werden z. B. wassergeschützte oder wasserdichte Gehäuse verwendet. Außerdem gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Gehäuseformen (rund, quadratisch, oval, rechteckig, tonneauförmig etc.) und -materialien (Platin, Gold, Silber, Stahl, Titan, Aluminium, Kunststoff etc.).

Genfer Siegel

Ein Gesetz vom 6. Dezember 1886 über die freiwillige Qualitätskontrolle von Taschenuhren bildet die Rechtsgrundlage für das „Genfer Siegel“ oder den „Poinçon de Genève“. Es regelte die scharfe Qualitätsanforderung zur Fertigung von Genfer Uhren. 1957 erfuhr dieses Reglement eine erhebliche Verschärfung. Fortan mussten Uhren elf Qualitätsanforderungen erfüllen. Dabei stand auch die Ganggenauigkeit im Blickpunkt des Interesses. Für Armbanduhren mit einem Werkdurchmesser von maximal 30 mm war ein insgesamt 18-tägiges Prüfprogramm vorgeschrieben. Nur wenn ein Uhrwerk alle Kriterien erfüllte, durfte es den „Poinçon de Genève“ tragen. Die letzte Fassung des Reglements datiert auf den 22. Dezember 1994. Voraussetzung für die begehrte Punze sind die Nummerierung aller in Frage kommenden Werke und deren Vorlage beim „Büro zur freiwilligen Kontrolle Genfer Uhren“. Den größten Teil des Reglements beanspruchen insgesamt zwölf Festlegungen zum Qualitätsniveau aller Bestandteile und der Verarbeitung. Für die Stahlteile sind u. a. polierte Kanten und satinierte Vorderseiten vorgeschrieben. Die Schraubenköpfe müssen poliert oder kreisgeschliffen, die Schraubenschlitze angliert sein. Weitere Aussagen gelten den Steinen, Zahnrädern, Wellen und Zapfen, der Befestigung der Unruhspirale am Unruhkloben, der technischen Ausführung des wichtigen Schwing- und Hemmungssystems, der handwerklichen Sorgfalt bei der Ausführung der Aufzugs- und Zeigerstellpartie sowie dem Aufwand, der bei anderen Werkteilen zu betreiben ist. Im Gegensatz zum Verordnungstext von 1957 besagt die aktuelle Regelung nichts mehr über die geforderte Ganggenauigkeit bei den eingereichten Werken. Nach wie vor gilt jedoch die Prämisse, dass der Zusammenbau und die Reglage im Kanton Genf erfolgen müssen.

Genfer Streifen (Code Genéve)

Häufig verwendete rippenförmige Dekoration auf den Brücken und Kloben feiner Kaliber. Sie wird vor der galvanischen Veredelung aufgebracht, bleibt aber dennoch erkennbar. Genfer Streifen finden sich im Allgemeinen nur bei hochwertigen Werken.

Gläser

Für Armbanduhren gibt es vier verschiedene Sorten von Gläsern. Die Kristallgläser kommen hauptsächlich bei frühen Armbanduhren vor. Sie sind zwar kratzfest, dafür jedoch sehr bruchempfindlich. Zu Beginn der 1940er Jahre wurden die Kristallgläser mehr und mehr durch Kunststoffgläser (Plexiglas) abgelöst. Diese wiederum sind zwar unzerbrechlich, verkratzen aber relativ leicht. Mineralgläser besitzen eine Härte von 5 Mohs und sind daher wesentlich robuster als Kunststoffgläser. In hochwertigen Uhren unserer Tage wird zumeist Saphirglas verwendet. Bei einer Härte von 9 Mohs ist es extrem kratzfest, jedoch nur mit speziellen Diamantwerkzeugen zu bearbeiten.

Glucydur-Unruh

Moderne Unruh, die nach der Erfindung der autokompensierenden Unruhspirale bei hochwertigen Uhren die bimetallische Kompensationsunruh ablöste. Glucydur-Unruhn bestehen aus einer Kupferlegierung, der ca. drei Prozent Beryllium beigemengt werden. Man erkennt sie an ihrem goldfarbenen Erscheinungsbild. Die einfacheren Nickelunruhn besitzen hingegen einen silbernen Farbton. Glucydur-Unruhn verfügen über eine Härte von 380 Vickers (Nickel-Unruhn 220, Messing-Unruhn 180). Dadurch lassen sie sich vorzüglich vernieten, auswuchten und fein regulieren.

GMT

Greenwich mean time; Welt- oder Universalzeit (UTC, Universal time coordinated) am Greenwicher Nullmeridian. Die mittlere Zeit von Greenwich gilt heute als Standard im Navigationswesen und im internationalen Funkverkehr.

Gold

Edelmetall mit einer spezifischen Dichte von 19,5. Es wird für Schmuck oder Uhrengehäuse in unterschiedlichen Feingehaltsgraden verwendet. Bei sehr hochwertigen mechanischen Uhren werden z. B. auch die Regulierschrauben der Unruh, Steinfassungen, Räder oder gar das ganze Werk aus Gold gefertigt.

Goldfilled

Goldauflage auf unechtem Basismaterial, z. B. Messing.

Grande Complication

Hochkomplizierte Taschen- oder Armbanduhr, die mindestens über folgende Funktionen verfügt: Chronograph, ewiger Kalender und Minutenrepetition.

Grande Sonnerie

Großes Schlagwerk, das – je nach Ausführung – die vollen, halben und Viertelstunden selbsttätig akustisch kundtut. Zu diesem Zweck besitzen die Uhrwerke ein zweites Federhaus. In der Regel lässt sich das Schlagwerk per Schieber auf Ruhe schalten. Häufig ist die Grande Sonnerie mit einem Repetitionsschlagwerk kombiniert.

Gregorianischer Kalender

Am 15. Oktober 1582 trat in Rom nach langen Vorarbeiten und der Eliminierung von zehn ganzen Tagen eine von Papst Gregor XIII. verfügte Kalenderreform in Kraft. Sie beseitigte den winzigen Restfehler des 45 v. Chr. eingeführten julianischen Kalenders. Nach diesem war das Jahr um 0,0078 Tage zu lang. Das diesen Fehler beseitigende Spezifikum des gregorianischen Kalenders besteht darin, innerhalb von 400 Jahren drei Schalttage ausfallen zu lassen. Und zwar in allen nicht durch 400 teilbaren Säkularjahren (Jahren des vollen Jahrhunderts). Demnach werden die Jahre 2100, 2200 und 2300 ohne den 29. Februar auskommen müssen.

Guillochieren

Maschinelles Gravieren feiner, teilweise kunstvoll verschlungener Muster in Uhrengehäuse oder -Zifferblätter.

Gyromax-Unruh

Zu Beginn der 1950er Jahre erkannten die Uhrmacher im Hause Patek Philippe, dass bei den neuen Glucydur-Unruhn die Eliminierung der radial eingesetzten Masse- und Regulierschrauben eine Vergrößerung des Radius und damit eine Erhöhung des Trägheitsmoments bei annähernd gleichem Gewicht bewirken würde. Mit besseren Gangleistungen als Konsequenz. Am 31. Dezember 1951 erlangte die „Gyromax“-Unruh patentrechtlichen Schutz. Bei ihr wurden acht scheibenförmige und geschlitzte Regulierelemente auf axial angeordneten Stiften drehbar gelagert. Diese hervorragende Entwicklung kann als Vorläufer der modernen schraubenlosen Ringunruh gelten. Anfänglich diente auch bei Patek Philippe der bewährte Rückermechanismus mit Feinreguliervorrichtung zur Veränderung der Unruhfrequenz. Doch erst in Verbindung mit einer frei schwingenden Spirale konnten die Präzisionsvorteile der „Gyromax“ voll ausgeschöpft werden.

Halbewiger Kalender

Uhren, die die unterschiedlichen Monatslängen im Laufe eines Schaltjahreszyklus richtig anzeigen. Nur der 29. Februar ist ihnen fremd, weil sie kein Rad besitzen, das sich einmal innerhalb von vier Jahren um seine eigene Achse dreht.

Halbsavonette

Uhr mit Sprungdeckel, in dessen Zentrum sich eine kreisrunde Öffnung befindet.Dadurch lässt sich die Zeit auch in geschlossenem Zustand ablesen. Dieser auch „half hunter“ genannte Gehäusetyp kam hauptsächlich bei Taschenuhren zum Tragen. Bis in die 1920er Jahre, als es noch keine bruchsicheren Gläser gab, entstanden gelegentlich auch Halbsavonnette-Armbanduhren. Im Gegensatz zu den Taschenuhren war der Ausschnitt im Deckel hier meist nicht verglast.

Handaufzuguhr

Zeitmesser, bei dem die Zugfeder von Hand gespannt werden muss.

Hektometerskala (Produktionszähler)

Die Produktionszähler-Teilung hilft, die Produktionskapazität für gleichartige Stücke in einer Serienfertigung festzustellen. Bei Beginn der Fertigung eines Serienstücks wird der Chronograph gestartet und am Ende der Bearbeitung angehalten. Der Zeiger auf dem Zifferblatt zeigt dann an, wie viele Stücke pro Stunde hergestellt werden, vorausgesetzt, ein Stück dauert in der Herstellung nicht länger als 60 Sekunden.

Hemmung

Mechanismus, der die Kraft der Zugfeder in kleinen Kraftschüben an das Schwingsystem (Unruh und Unruhspirale) einer Uhr weiterleitet und das ungebremste Ablaufen des Uhrwerks verhindert. Die Hemmung besteht u. a. aus dem Ankerrad mit zugehörigem Trieb sowie dem Anker mit den beiden Paletten und der Ankergabel. In hochwertigen Armbanduhren findet heute größtenteils die Schweizer Ankerhemmung Verwendung. Der Name resultiert aus der spezifischen, in der Schweiz entwickelter Form des Ankers und der Geometrie dieses Hemmungssystems. Die Hemmung einer mechanischen Armbanduhr führt Schwerstarbeit aus: Bei einer Unruhfrequenz einer von 28.800 Halbschwingungen/Stunde lässt sie das Räderwerk täglich 691.200-mal vorrücken. Im Laufe von vier Jahren ergibt dies mehr als eine Milliarde Kraftstöße. Das entspricht etwa der sechsfachen Leistung eines menschlichen Herzens.

Heures Sautantes (schwingende Stunde)

Mechanismus, bei dem eine mit der Ziffernfolge 1 bis 12 bedruckte Scheibe den Stundenzeiger ersetzt. Durch einen Zifferblattausschnitt wird jeweils 60 Minuten lang die aktuelle Stunde digital, d. h. in Form einer Zahl angezeigt. Nachdem der Minutenzeiger die „12“ erreicht hat, springt die Scheibe ruckartig auf die nächste Ziffer und somit eine Stunde weiter.

Immerwährendes Kalendarium

Es ist ein Ewiger Kalender.

Incabloc

Eine der gebräuchlichsten und weitestverbreiteten Stoßsicherungen für mechanische Uhren, die 1933 ihre Serienreife erlangte. Der „Incabloc“ gilt als erfolgreichste Stoßsicherung in der Geschichte tragbarer Uhren. Dies lag zunächst auch daran, dass sich diese Stoßsicherung problemlos in alle Kaliber einbauen ließ. Die Stoßsicherungsfeder von Incabloc hat in der Regel die Form einer Lyra.

Incastar

Von Portescap entwickeltes Reguliersystem für mechanische Uhren, das ohne den üblichen Rückerzeiger auskommt. Das äußere Ende der Unruhspirale wird zwischen zwei federnden Rollen eingeklemmt. Eine dieser Rollen lässt sich mit Hilfe eines kleinen Sterns (daher der Name „star“) zur Veränderung des Gangs verstellen. Auf diese Weise wird die Spirale (wie auch beim Rücker) verlängert oder verkürzt.

Indikation

Anzeige z. B. von Zeit, Datum, Wochentag, Monat, Äquation, Gangreserve oder zweiter Zonenzeit.

Indirekte zentralsekunde

Bei Uhrwerken mit indirekter Zentralsekunde erfolgt der Antrieb des Sekundenzeigers außerhalb des Kraftflusses im Räderwerk. Daher findet sie sich häufig bei Kalibern, die mit kleiner Sekunde konstruiert und dann auf Zentralsekunde umgerüstet wurden. Moderne Kaliber sind meist für eine Ausstattung mit Zentralsekunde konstruiert. Deshalb besitzen sie in der Regel einen direkten, also im Kraftfluss liegenden Antrieb des Sekundenzeigers.

Innendeckel

Zusätzlicher Schutzdeckel (Staubdeckel, Cuvette) unter dem eigentlichen Rückdeckel einer Uhr. Wurde hauptsächlich bei Taschenuhrgehäusen angebracht. Frühe Armbanduhren mit Scharniergehäuse besitzen gelegentlich auch Innendeckel.

Jahreskalender

Armbanduhr mit korrekter Datumsangabe für ein Jahr, und zwar vom 1. März bis zum 28. Februar.

Jewels

Internationale Bezeichnung für die Steine eines Uhrwerks.

Julianischer Kalender

Auf Gajus Julius Cäsar geht der Rhythmus von jeweils drei Normaljahren mit 365 Tagen und einem 366-tägigen Schaltjahr zurück. Allerdings ist das julianische Jahr gegenüber den wahren astronomischen Gegebenheiten um 0,0078 Tage zu lang. Deshalb musste Papst Gregor XIII. den julianischen Kalender im Jahr 1582 korrigieren.

Justieren

Vorgang des Einstellens oder Regulierens einer Uhr.

Kadratur

Begriff für das zusätzliche Schaltwerk bei komplizierten Uhren. Zum Beispiel ein Mechanismus für einen Chronographen, ein Repetitionsschlagwerk oder ein Kalendarium. Je nach Konstruktion kann die Kadratur ins Uhrwerk integriert oder auf einer separaten Platine montiert und als Modul additiv mit dem Uhrwerk verbunden sein. Modulare Lösungen sind im Allgemeinen kostengünstiger, weil auf konfektionierte Uhrwerke zurückgegriffen werden kann. Integrierte Konstruktionen, z. B. Chronographen oder Repetitionen, verlangen eigenständige Entwicklungen. Mittlerweile gibt es nahezu alle Zusatzfunktionen auch in modularer Form.

Kaliber

Dimension und Gestalt eines Uhrwerks und seiner Teile. Die Kaliberbezeichnung ermöglicht eine exakte Identifikation u.a. zum Zweck der Ersatzteilbestellung. Bis in die 1970er Jahre hatten große Rohwerkehersteller teilweise mehr als 100 verschiedene mechanische Kaliber im Programm. Inzwischen gibt es die Kalibervielfalt nicht mehr. Traditionell ist zu differenzieren zwischen runden Kalibern für offene Uhren, den „Lépines“, runden Kalibern für Sprungdeckeluhren, „Savonnettes“ genannt, sowie den sog. Formkalibern (z. B. Baguette-, Tonneauform, oval, rechteckig). „Lépines“ erkennt man daran, dass das Sekundenrad auf einer Achse mit der Krone liegt. Bei „Savonnettes“ nimmt es dagegen eine um 90 Grad abgewinkelte Position ein. Eine evtl. vorhandene kleine Sekunde befindet sich also bei der „6“. Von den konfektionierten Rohwerken der Ebaucheslieferanten sind die sog. Manufaktur-Kaliber zu unterscheiden. Letzteres sind Uhrwerke, die Manufakturen für ihren eigenen Bedarf produzieren- Schließlich ist gelegentlich von sog. reservierten Kalibern die Rede. Hinter diesem Begriff verbergen sich Rohwerke, die Ebauchesfabrikanten exklusiv für einzelne Kunden entwickeln und/oder produzieren. Auf diese Kaliber haben andere Etablisseure keinen Zugriff.

Kalotte

Dieser aus dem Französischen (calotte: Kappe) abgeleitete Begriff steht in der Uhrmachersprache u. a. für ein stark gewölbtes Taschenuhr-Gehäuse oder das gewölbte Gehäuse-Vorderteil bei Armbanduhren.

Karat

Maßangabe z. B. des Goldgehalts. Feingold, fast 100 Prozent reines Gold, besitzt 24 Karat. Das Gehäuse z. B. einer 18-karätigen Armbanduhr besteht aus 750/1.000 Feingold sowie aus sonstigen Legierungsmetallen (Kupfer, Messing, Silber). 14-karätiges Gold besitzt einen Feingehalt von 585/1.000, 8-karätiges Gold weist einen Feingehalt von 333/1.000 auf. Der Feingehalt wird bei jedem Gehäuse in Form einer Punze vermerkt.

Karussell

Einfache Drehganguhr. Die Konstruktion geht auf den dänischen Uhrmacher Bonniksen zurück. 1892 ersann er sie als Ersatz für das schwieriger herzustellende und deswegen auch deutlich kostspieligere Tourbillon, dessen Drehzahl in der Regel 1/Minute beträgt. Das Schwing- und Hemmungssystem des Karussells beschreibt dagegen im Laufe einer Stunde oder einer kürzeren Umlaufzeit einen Kreisbogen von 360 Grad. Neben der Rotationsgeschwindigkeit besteht der wesentliche Unterschied zwischen Tourbillon und Karussell im Antrieb des Drehgestells. Beim Tourbillon erfolgt er über das Sekundenrad. Die Rotationen des Käfigs sind hierbei unverzichtbar für das Hin- und Herschwingen der Unruh und damit die Funktion des ganzen Werks. Ruht das Tourbillon, steht das ganze Uhrwerk. Beim Karussell wird das Drehgestell in der Regel vom Kleinbodenrad angetrieben. Daher geht die Uhr weiter, selbst wenn das meist als Platine ausgeführte Drehgestell in seiner Position verharrt. Die Karussells für das Handgelenk gibt es seit 2001.

Keyless Watch

Uhr mit Kronenaufzug (schlüssellose Uhr).

Kleine Sekunde

Exzentrisch angeordneter Sekundenzeiger. Dieser befindet sich bei Armbanduhren meistens bei der „6“ (sog. Savonnette-Bauweise, Krone steht im rechten Winkel zum Sekundenzeiger). Es gibt jedoch auch Werke (sog. Lépine-Konstruktion, Krone liegt mit dem Sekundenzeiger auf einer Linie) mit der kleinen Sekunde bei der „9“. Bei offenen Taschenuhren (Lépines, Krone bei der „12“) befindet sich die kleine Sekunde wiederum bei der „6“.

Kloben

Im Gegensatz zu Brücken sind Kloben nur am einen Ende mit der Platine verschraubt, während das Andere frei schwebt. Unruhkloben, Ankerradkloben.

Koaxiale Hemmung

Hemmung für mechanische Uhren, erfunden vom englischen Meister-Uhrmacher George Daniels. Durch eine vollständige Umkonstruktion der impulsgebenden Elemente wird die unabdingbare Reibung ganz beträchtlich reduziert. Der daraus resultierende Verzicht auf Öl eliminiert die Einflüsse der Viskosität des Schmiermittels auf die Amplitude des Schwingsystems. Die Wartungsintervalle können deutlich gestreckt werden. Im Gegensatz zum bislang Üblichen (Anker, Ankerrad) besteht die koaxiale Hemmung aus insgesamt drei Komponenten: Zwischenrad, Koaxialrad und Anker mit drei Steinpaletten. Die – wie bei der konventionellen Ankerhemmung – auf der Unruhwelle befestigte Hebelscheibe besitzt neben dem gewohnten Hebelstein noch eine Impulspalette. Der Name Koaxialrad rührt übrigens daher, dass das Hemmrad und der große, wolfsverzahnte Hemmrad-Trieb, in den die Zähne des Zwischenrads greifen, auf einer Welle sitzen. Zur Funktion des Ganzen an dieser Stelle nur so viel: Schwingt die Unruh im Uhrzeigersinn, erhält sie einen direkten Stimulus vom Hemmrad zur Impulspalette der Hebelscheibe. Nur im Gegenuhrzeigersinn tritt der Anker in Funktion. Den winzigen Kraftstoß liefert der Hemmrad-Trieb an die mittlere Impulspalette des Ankers. Nach jedem Impuls wird das Hemmrad von den äußeren Ankerpaletten kurz angehalten, damit die Unruh frei in die jeweilige Richtung weiterschwingen kann.

Kolbenzahn-Ankerhemmung

Andere Bezeichnung für die Schweizer Ankerhemmung. Der Name resultiert aus der kolbenförmigen Gestalt der Ankerradzähne.

Kompensationsunruh

Temperaturschwankungen wirken sich negativ auf den Gang einer mechanischen Uhr aus, weil sie das Elastizitätsmodul von stählernen Unruhspiralen verändern. Steigende Temperaturen verursachen ein Nach-, sinkende ein Vorgehen. Vor mehr als 200 Jahren erfand der englische Uhrmacher John Arnold den bimetallischen, aufgeschnittenen Kompensationsunruhreif, der den nicht unerheblichen Temperaturfehler der Stahl-Spiralfeder (weitgehend) auszugleichen vermochte. Wie der Name bereits sagt, besteht ein bimetallischer Unruhreif aus zwei miteinander verbundenen Metallen (z. B. innen Stahl und außen Messing). Messing besitzt einen höheren Ausdehnungskoeffizienten als Stahl. Bei steigenden Temperaturen dehnt sich Messing stärker aus, die freien Enden verlagern sich in Richtung Unruhwelle. Dies bewirkt ein Vorgehen, das die Längenausdehnung der Stahlspirale kompensiert. Bei sinkenden Temperaturen wirkt die Unruh entgegengesetzt. Wegen der hohen Kosten und der aufwändigen Handhabung wurden Kompensationsunruhn jedoch nur in besseren Uhren verwendet, während bei billigeren Werken die Temperaturfehler in Kauf genommen werden mussten.

Komplikation

Zusatzmechanismus bei mechanischen Uhren. Zu den wichtigsten Komplikationen zählen automatische Aufzugssysteme, Äquationsanzeigen, Chronographen, auch solche mit Schleppzeiger, ewige Kalender, Repetitionsschlagwerke, Selbstschlagwerke (Grande/Pettie Sonnerie), Tourbillons und Wecker.

Kristallglas

Farbloses Weißglas. Bei Uhren fanden Kristallgläser bis in die 1940er Jahre hinein Verwendung. Das Problem bestand in der hohen Bruchgefahr. Schon kleine Stöße konnten zum Zersplittern des Glases führen.

Krone

Knopf zum Aufziehen einer Uhr, zum Zeigerstellen und/oder Korrigieren von Datumsanzeigen, sowie – in früheren Zeiten – gelegentlich auch zum Steuern von Chronographen. Bei wasserdichten Uhren lässt sich die Krone häufig mit dem Gehäuse verschrauben. Weil die Krone bei harten Stößen abbrechen kann, besitzen moderne Sport-Armbanduhren einen Flankenschutz.

Kronenaufzug

Bis ins späte 19. Jahrhundert erfolgten Aufzug und/oder Zeigerstellung vieler Taschenuhren mit Hilfe eines kleinen Schlüssels. Beim modernen Kronenaufzug geschieht beides über eine kleine Krone mit „Umschaltvorrichtung“. Das heute verwendete System des Kronenaufzugs geht auf Jean Adrien Philippe zurück. Am 7. September 1861 erhielt er dafür ein Patent. Dieses bezog sich insbesondere auf die Erfindung eines drehbar auf der Aufzugswelle gelagerten Transmissionsrades, das über eine Wolfsverzahnung mit dem auf der Welle verschiebbaren Zeigerstelltrieb (Schiebetrieb) gekoppelt ist. Vor allem das komfortable „leere“ Rückwärtsdrehen der Krone brachte die gewünschte Perfektion des Kronenaufzugs, der sich bis heute in Abermillionen von Handaufzugs- und Automatikwerken bewährt hat.

Kulissenschaltung

Schaltwerk zur Steuerung eines Chronographen. Ein beweglicher, je nach Kaliber unterschiedlich ausgeformter Schaltnocken liefert das „Programm“ für die Funktionen Start, Stopp und Nullstellung. Chronographen mit Kulissen- oder Nockenschaltung sind technisch weniger aufwändig, aber nicht minder zuverlässig als die Pendants mit Schalt- oder Säulenrad.

Kurzzeitmesser

Uhren zum exakten Messen und unmittelbaren Ablesen der Dauer kleiner Zeitabschnitte. In diese Kategorie fallen demnach Stoppuhren und Chronographen.

Lagen

Armbanduhren werden – im Gegensatz zu Taschenuhren – in vielen verschiedenen Lagen getragen. Es sind dies die Positionen „Krone oben“, „Krone unten“, „Krone rechts“, „Zifferblatt oben“ und „Zifferblatt unten“. Bei Präzisionsuhren erfolgt daher eine Regulierung in diesen fünf Lagen.

Lager

Bohrungen für die Zapfen des Räderwerks. In feinen Armband- und Taschenuhren, aber auch bei Großuhren werden die Bohrungen speziell für die schnell drehenden Räder und Triebe mit Lagersteinen versehen. Einfache(re) Zeitmesser begnügen sich hingegen mit Löchern in den Platinen, Brücken oder Kloben. Dies führt dazu, dass die Bohrungen – insbesondere bei Ölmangel – nach geraumer Zeit „auslaufen“. In diesem Fall lassen sich Messing- oder Bronzefutter einsetzen.

Lapidieren

Mit Hilfe eines Lapidärs (Poliermaschine) werden Flächen oder Kanten von Uhrenbestandteilen geschliffen und poliert. Dies steigert den optischen Eindruck und die Wertigkeit eines Uhrwerks.

LCD

Abkürzung für „Liquid Crystal Display“ oder zu deutsch „Flüssigkristallanzeige“. Durch die Fähigkeit, unter Einwirkung eines elektrischen Felds auffallendes Licht zu streuen, haben Flüssigkristallfilme u.a. bei digitalen Quarzuhren große Bedeutung erlangt. Sie lösten Mitte der 1970er Jahre die LEDs weitgehend ab. Die LCD erzeugt kein eigenes Licht, sondern streut nur das auftreffende Licht. Vorteile: – geringer Stromverbrauch – permanente Anzeige, die nicht eigens aktiviert werden muss – Wahrnehmbarkeit in einem weiten Helligkeitsbereich – keine beweglichen Teile. Im einfachsten Fall besteht eine LCD aus zwei Glasplatten, von denen jede auf ihrer Innenseite mit einer Elektrodenschicht bedeckt ist. Dazwischen befinden sich nematische Flüssigkristalle. Diese besitzen lang gestreckte Moleküle und eine annähernd parallele Ordnungsstruktur. Durch das Anlegen eines elektrischen Felds an die Elektroden wird das Flüssigkristall erregt. Im feldlosen Zustand ist es klar und durchsichtig; stromdurchflossen wird es turbulent. Es streut Licht und erscheint für das Auge trüb.

LED

Abkürzung für „Light Emitting Diodes“ oder zu Deutsch Lichtemissionsdioden. Anfang der 1970er Jahre wurden diese optoelektronischen Elemente in Quarzuhren zur Zeitindikation verwendet. Wegen ihres hohen Stromverbrauchs musste die Zeitanzeige per Knopfdruck aktiviert werden. Aus diesen Gründen wurden die LED schon bald von der LCD abgelöst.

Lépine-Kaliber

Bei dieser Konstruktionsform von Uhrwerken, benannt nach den französischen Uhrmacher Jean-Antoine Lépine, stehen die Räder mit der Unruh in einer Ebene. Sie laufen auf einer Seite der Platine unter Brücken und Kloben. Außerdem befindet sich die Aufzugs- und Zeigerstellkrone mit dem Sekundenzeiger in einer Linie.

Leuchtzifferblatt

Zifferblatt, von dem sich auch nachts die Zeit ablesen lässt. Zu diesem Zweck sind die Ziffern oder Indices – aber auch die Zeiger – mit einer Leuchtmasse ausgefüllt. Nachdem Marie und Pierre Curie 1898 das Radium entdeckt hatten, dauerte es nur noch sieben Jahre, bis die Chininfabrik Büchler & Co., Braunschweig, Leuchtzifferblätter und -zeiger auf den Markt brachte. Wegen der hohen Strahlungsintensität wird reines Radium nicht mehr verwendet. Auch Tritium, ein radioaktives Isotop des Wasserstoffs mit der Massezahl drei gehört der Vergangenheit an. Tritium-Leuchtmasse erkennt man am Zifferblattaufdruck „Swiss Made – T“. Stattdessen gibt es nicht strahlende Leucht-Ausstattungen wie z. B. Super-LumiNova.

Linie

Überlieferte Maßeinheit für Uhrwerksdimensionen, abgeleitet vom „Pied du Roi“, dem französischen Fuß. Zum Beispiel 11''' bei runden Werken oder 8 ¾ x 12''' bei Formwerken. Eine Linie entspricht 2,2558 mm. 1 franz. Fuß (') = 12 Zoll ('') = 144 Linien (''')

Lochstein

Zylindrischer, im Zentrum durchbohrter synthetischer Stein, heute meist Rubin. Lochsteine werden zur Verminderung der Reibung und damit der Abnutzung in die entsprechenden Bohrungen der Platine, Brücken und Kloben eingepresst. In ihnen bewegen sich die schnelldrehenden Zapfen des Räderwerks. Bei sehr feinen Uhren besitzen die Steinlöcher keine zylindrische, sondern eine gerundete Form. In diesem Fall spricht man von olivierten Bohrungen. Die Olivierung dient einer weiteren Reduktion der Lagerreibung, weil sich die Berührungsfläche des Zapfens verringert. Außerdem besitzt der Zapfen eine größere Bewegungsfreiheit.

Lünette

In der Uhrmacherei ein vielschichtiger Begriff. Streng genommen versteht man darunter den Glasreif eines Gehäuses. Dieser Glasreif wird mit dem eingepressten Glas auf das Mittelteil des Gehäuses aufgesprengt. Oft werden heute auch auf der Vorderseite von Uhrengehäusen befestigte Drehringe als Lünetten bezeichnet.

Lunation (Mondmonat)

Innerhalb einer Lunation von etwa 29,5 Tagen durchläuft der Mond seine – von der Stellung Sonne – Mond – Erde abhängigen – Mondphasen (Neumond – erstes Viertel – Vollmond – letztes Viertel – Neumond).

Malteserkreuz

Markenzeichen von Vacheron Constantin. In der Uhrentechnik ein Kreuz zum Antriebsausgleich des Federhauses. Es dient in Verbindung mit einem auf der Federwelle sitzenden Finger zur Kompensation der größten Drehmomentsunterschiede beim Antrieb mechanischer Räderuhren. Diese aufwändige Technik wird heute nur noch sehr selten in besonders feinen Uhren verwendet.

Manufaktur

Nach den ungeschriebenen Gesetzen der Uhrmacherei darf sich ein Uhrenhersteller nur dann Manufaktur nennen, wenn er mindestens eine Ebauche oder ein Rohwerk selbst fertigt. Die sog. Fertigsteller konfektionierter Rohwerke heißen branchenintern Etablisseure. Zum kleinen Zirkel der Mechanik-Manufakturen zählen derzeit u. a. Audemars Piguet, Chopard, Roger Dubuis, Girard-Perregaux, Glashütte Original, IWC, Jaeger-LeCoultre, A. Lange & Söhne, Patek Philippe, Piaget, Rolex und Zenith.

Mariage

Dieser französische Begriff, der so viel wie Ehe bedeutet, steht in der Uhrenszene für das Zusammenwürfeln meist echter Teile unterschiedlicher Uhren, um daraus eine neue Uhr entstehen zu lassen. Gute Mariagen sind nur schwer identifizierbar. Doch auch sie schmälern den Wert eines Zeitmessers ganz beträchtlich.

Mechanische Räderuhren

Uhren, die über eine Zugfeder oder von einem Gewicht angetrieben werden. Die Regulierung des Gangs erfolgt durch eine Unruh mit Spiralfeder oder Pendel. Die Entwicklung der Räderuhr resultiert vermutlich aus dem Antriebsmechanismus von Planetarien, die seit dem späten 13. Jahrhundert bekannt sind. Als älteste mechanische Räderuhr des deutschsprachigen Raums kann wohl die Uhr des Straßburger Münsters gelten. Sie wurde 1352 fertig gestellt. In England gab es aber vermutlich schon gegen Ende des 13. Jahrhunderts funktionsfähige Räderuhren.

Megahertz (MHz)

Begriff für eine Million Schwingungen pro Sekunde.

Messing

In der Uhrenproduktion bedeutendes Metall, legiert aus Kupfer und Zink. Je nach Verwendungszweck (z. B. Platinen) kommen unterschiedliche Mischungsverhältnisse zur Anwendung.

MEZ

Mitteleuropäische Zeit. Am 1. April 1893 führten Deutschland und andere zentraleuropäische Länder die MEZ ein. Die MEZ besitzt eine Differenz von +1 Stunde gegenüber der als Welt- oder Universalzeit definierten mittleren Sonnenzeit des Greenwicher Nullmeridians (Greenwich mean time – GMT).

Mikron

Mikrometer oder Tausendstelmillimeter. Die Stärke der Goldauflage bei Doublé-Uhrengehäusen wird in Mikron (µ) angegeben. Früher betrug sie in der Regel mindestens 20 µ. Heute sind 5 µ an der Tagesordnung.

Mikrorotor

In der Werksebene integrierter Rotor für Uhren mit automatischem Aufzug. Auslösender Faktor für die Konstruktion von Mikrorotor-Kalibern war das Bemühen um flache und damit elegante Automatik-Armbanduhren. Dem widersetzten sich Konstruktionen mit Pendelschwungmasse und auch solche mit Zentralrotor. Mikrorotoren haben zwar keinen sehr hohen Marktanteil erreicht, sind aus der Uhrentechnik jedoch nicht mehr wegzudenken. Wegbereiter des Mikrorotors war die Büren Watch Co., die 1954 ein entsprechendes Patent erlangte. 1957 kam die 4,2 mm hohe Büren „Super Slender“ auf den Markt. 1958 folgte Universal Genève mit dem „Polerouter“. Piaget präsentierte 1959 das Kaliber 12 Pl, 2,3 mm hoch und damit seinerzeit die weltweit flachste Automatik. Das klassische Kaliber 240 von Patek Philippe besitzt einen 22-karätigen Gold-Mikrorotor und eine Höhe von 2,40 mm. Beim 1996 fertig gestellten 2-Federhaus-Manufakturkaliber Chopard LUC 1.96 beträgt die Bauhöhe 3,3 mm (inkl. springender Datumsanzeige). Die Gangreserve liegt bei ca. 70 Stunden.

Minute

Mit Einführung der mechanischen Räderuhr erhielt der „bürgerliche Tag“ 24 gleich lange Stunden. Aus „diminutiva pars“, also dem vermindernden Part des Ganzen, resultiert der Begriff Minute. Das auf der Zahl 60 basierende Sexagesimalsystem ist übrigens eine babylonische Erfindung.

Minutenrepetition

Uhren mit Minutenrepetition geben die Stunden, Viertelstunden sowie die anschließend verstrichenen Minuten auf Anforderung akustisch wieder. Dazu schlägt das hochkomplizierte Werk in den meisten Fällen mit zwei Hämmern auf zwei Tonfedern. Die Stunden gehen aus der Anzahl tiefer, die Minuten aus derjenigen hoher Töne hervor. Dazwischen kommen die Viertelstunden durch Doppelschläge (hoch/tief) zum Ausdruck. Erste Uhren mit Minutenrepetition gab es ungefähr 1750. Sie stellten und stellen die Krönung auf dem Gebiet der Repetitionsschlagwerke dar.

Minutenzähler

Zählzeiger bei Stoppuhren und Chronographen zur Erfassung der seit Beginn eines Stoppvorgangs verstrichenen Minuten. Die größte Verbreitung haben 30- und 45-Minuten-Zähler gefunden. Letztere fanden sich u. a. in Chronographen für Fußball-Schiedsrichter. Daneben gibt es jedoch auch 15- oder 60-Minuten-Zähler. Bei Nullstellung des Chronographen (oder der Stoppuhr) springt auch der Minutenzähler wieder in seine Ausgangsposition zurück.

Mittag

Maßstab aller bürgerlichen Zeitmessung ist der Lauf der Sonne am Firmament. Als wahrer Mittag definiert sich dabei jener Zeitpunkt, an dem ein senkrecht in der Erde steckender Stab den kürzesten Schatten wirft.

Modul

Baugruppe. Module finden u. a. in vielen modernen Automatik-Chronographen Verwendung. Sie werden auf der Vorderseite des Uhrwerks montiert. Die Kraftkopplung erfolgt meistens über Friktion. Modulare Konstruktionen sind dabei oft an dem tief liegenden, durch eine Lupe ablesbaren Datum sowie der v-förmigen Drücker-Krone-Anordnung zu erkennen. Auch in Kalenderuhren, meist bei Modellen mit ewigem Kalendarium, kommen Module zum Einsatz. Bei ihnen ist das gesamte Kalendarium, auf einer eigenen Platine montiert, die zifferblattseitig auf das Uhrwerk gesetzt wird. Bekannt sind schließlich auch Schlagwerksmodule.

Mondalteranzeige

Indikation zum Ablesen der Anzahl von Tagen, die seit dem letzten Neumond vergangen sind. Im synodischen Monat beträgt das Zeitintervall von Neumond zu Neumond exakt 29 Tage, 12 Stunden, 44 Minuten und 3 Sekunden. Die gängige Anzeige besteht aus einer mit 59 Zähnen versehenen Scheibe, auf deren Oberfläche sich gegenüberliegend zwei Vollmonde befinden. Angetrieben durch das Uhrwerk bewegt sie sich innerhalb von zwei Lunationen einmal um ihre Achse. Die aktuelle Stellung ist durch einen speziell geformten Zifferblattausschnitt ablesbar. Mitunter überspannt ihn eine entsprechend graduierte Skala. Derartige Mondalteranzeigen weichen jährlich etwa acht Stunden von der Norm ab. Neben diesen einfachen Ausführungen gibt es inzwischen auch komplexe Konstruktionen, deren jährliche Fehlerquote im Minutenbereich liegt.

Mondphasen

Der Mond durchläuft seine – von der Stellung Sonne – Mond – Erde abhängigen – Licht- bzw. Mondphasen (Neumond – erstes Viertel – Vollmond – letztes Viertel – Neumond) innerhalb einer –> Lunation von etwa 29,5 Tagen.

Mouvement

Französischer Begriff für Uhrwerk.

Münzuhr

Münze mit eingebautem Uhrwerk. Bekannt seit dem 18. Jahrhundert. Zur Herstellung werden Münzen so geteilt und ausgehöhlt, dass ein ultraflaches Uhrwerk hineinpasst.

Mysterieuse

Möglichst transparente Uhr, bei der Werk und Antrieb nicht sichtbar sind.

Parachute

Mit diesem Begriff, der zu Deutsch nichts anderes als „Fallschirm“ bedeutet, bezeichnete Abraham-Louis Breguet (1747–1823) die von ihm erfundene Stoßsicherung. Zum Schutz der empfindlichen Zapfen der Unruhwelle hatte er die entsprechenden Lagersteine in federnden Stahlarmen befestigt.

Pedometer-Aufzug

Automatischer Aufzug über eine Pendelschwungmasse, die z. B. beim Gehen wie bei einem Pedometer (Schrittzähler) auf und ab wippt. Mit Hilfe eines Getriebes wird die kinetische Energie auf die Zugfeder übertragen. Die Erfindung des Pedometer-Aufzugs geht nach derzeitigem Kenntnisstand auf das Jahr 1770 und Abraham-Lous Perrelet, Le Locle, zurück. Die ersten Armbanduhren dieser Art kamen in den 1920er Jahren auf den Markt (Léon Leroy, 1922, und John Harwood, 1924). Derartige Wippenaufzüge sind in Armbanduhren bis in die 50er Jahre zu finden.

Perpetual Calendar

Ewiger Kalender, der die unterschiedlichen Monatslängen bis zum Jahr 2100 automatisch berücksichtigt.

Perpetual, Perpetuale

Uhr mit Selbstaufzug, zum Beispiel „Rolex Perpetual“.

Plaque d’Or

Dünne, galvanisch aufgebrachte Goldschicht auf Uhrgehäusen aus unedlen Metallen. Doublé.

Platin

Sehr dezentes und das kostbarste Edelmetall zur Herstellung von Uhrengehäusen. Der hohe Preis resultiert aus dem höchst aufwändigen Gewinnungsprozess und der großen Seltenheit. Für ein Gramm Platin müssen mehr als 300 Kilogramm Erz abgebaut werden. Für ein Gramm Gold reichen hingegen schon 100 kg. Daneben stellt Platin auch bei der Verarbeitung höchste Ansprüche. Mit 1.773 Grad Celsius besitzt es den höchsten Schmelzpunkt (Gold 1.063 Grad Celsius, Silber 960 Grad Celsius). Zudem ist es fester, zäher und schwerer als andere Schmuckmetalle, weshalb spezielle Werkzeuge und Fertigungstechniken zur Anwendung kommen müssen. Schließlich weisen Platingehäuse meist einen Feingehalt von 950/1.000 auf, d. h. sie bestehen zu 95 Prozent aus diesem Edelmetall. Ein Platin-Uhrengehäuse wiegt rund 35 Prozent mehr als ein Pendant aus 18-karätigem Gold.

Platine

Auch Werkplatte genannt. Metallplatte, die die Brücken, Kloben und die sonstigen Bestandteile eines Uhrwerks trägt. Auf der Zifferblattseite befindet sich das Zeigerwerk. Rückwärtig ist das gesamte Räderwerk samt dem Federhaus sowie dem Schwing- und Hemmungs-System unter Brücken und Kloben befestigt. In der Platine befinden sich neben den Gewindebohrungen für die Schrauben auch Bohrungen für Stellstifte sowie die Lager des Räderwerks.

Poinçon de Genève

Genfer Siegel.

Präzision

Die tickende Uhr gehört zu den ältesten und gleichzeitig genauesten mechanischen Maschinen. Ein Werk, das pro Tag, also innerhalb von 86.400 Sekunden (stattliche) 30 Sekunden von der offiziellen Zeitnorm abweicht, besitzt eine arithmetische Fehlerquote von 0,035 Prozent. Mit anderen Worten: Ihr Genauigkeitsgrad liegt bei erstaunlichen 99,965 Prozent. Moderne mechanische Armbanduhren gehen sogar noch genauer, vor allem dann, wenn sie ein offizielles Chronometerzertifikat besitzen. Hier beträgt die Gangabweichung weniger als 0,005 Prozent.

Präzisionsreguliervorrichtung

Zum Beispiel ein Schwanenhals mit Feingewindeschraube. Das Ganze wird auf dem Unruhkloben befestigt und gestattet die Verstellung des Rückerzeigers in minimalen Schritten.

Präzisionszeitmesser

Uhr mit Anker- oder Chronometerhemmung, zusammengefügt aus hochwertigen Komponenten, darunter auf jeden Fall ein temperaturkompensiertes Schwingsystem. Präzisionstaschen- und Armbanduhren benötigen mindestens 15 funktionale Steine.

Prototyp

Der aus dem griechischen stammende Begriff steht für Ur- oder Vorbild. Beim Prototypen handelt es sich um das erste Muster einer Uhr, das vor Aufnahme der Serienproduktion zumeist in Handarbeit hergestellt wird.

Pulsometer

Arbeitserleichternde Zifferblattskalierung – meist bei Chronographen – für medizinische Zwecke. Sie dient zum Messen der Pulsfrequenz. Abhängig von der Graduierung sind nach dem Starten des Chronographen 20 oder 30 Pulsschläge zu zählen. Dann zeigt die Spitze des gestoppten Chronographenzeigers auf die hochgerechnete Pulsfrequenz pro Minute.

Punzen

Stempel in Uhrengehäusen, die Auskunft erteilen z. B. über die Art und den Feingehalt des verwendeten Edelmetalls, über Herkunftsland und teilweise Herkunftsort, über das Herstellungsjahr sowie über den Gehäusemacher. Hinzu kommen häufig das Markenzeichen der herstellenden oder liefernden Uhrenfirma, eine Referenz- und eine Seriennummer.

Quarz-Armbanduhren

Elektronische Armbanduhren, bei denen ein Schwingquarz als Regulierorgan dient. Als Standardfrequenz gelten heute 32.768 Hz. Infolge der hohen Schwingungszahl des Gangreglers besitzen Quarzuhren eine höhere Genauigkeit als mechanische Zeitmesser. Quarz-Armbanduhren gibt es seit 1968.

Räderwerk

Bei einer normalen Handaufzuguhr besteht das Räderwerk aus insgesamt fünf Rad-Trieb-Paaren: Die Verzahnung des Federhauses greift in den Minutenradtrieb. Auf der gleichen Welle befindet sich das Minutenrad, dessen Zähne in Verbindung mit dem Trieb des Kleinbodenrades (Zwischenrad) stehen. Das Kleinbodenrad ist mit dem Trieb des Sekundenrades verzahnt; und das Sekundenrad selbst greift in den Trieb des Ankerrades. Über das Ankerrad und das weitere Hemmungssystem gelangt die Kraft zur -> Unruh, die dadurch in Bewegung gehalten wird.

Referenz

Herstellerspezifische Kombination von Buchstaben und Ziffern zur Klassifizierung seiner verschiedenen Uhrenmodelle. Die Referenznummer beinhaltet oft auch Informationen über Typ, Gehäusematerial, Werk, Zifferblatt, Zeiger, Armband und Ausstattung mit Edelsteinen.

Regulatorzifferblatt

Außermittige Indikation von Stunden und Sekunden. Ein dezentral angeordneter Stundenzeiger gewährleistet ein weitgehend ungestörtes Ablesen der Sekunden. Derartige Zifferblätter wurden für die sog. Regulatoren (Präzisionspendeluhren) entwickelt, die in Observatorien und Uhrenfabriken die Zeit anzeigten. Dort kam es hauptsächlich auf die Sekunde an. In den 1930er Jahren präsentierte die Schweizer Uhrenindustrie erstmals Armbanduhren mit Regulatorzifferblatt. Es waren jedoch nur wenige Modelle, die zudem keine allzu große Verbreitung erlangten.

Regulierorgan

Die Regulierung eines Uhrwerks besteht darin, ihren täglichen Gang in verschiedenen Lagen und Temperaturen zu beobachten und ggf. zu optimieren. Der Aufwand hängt von der Qualität und dem gewünschten Genauigkeitsgrad einer Uhr ab. Das wiederum schlägt sich im Preis nieder. Eine Präzisionsregulierung nach amtlichen Vorgaben umfasst mindestens fünf Lagen des Uhrwerks und zwei verschiedene Temperaturen (23,8 und 38 °C). Bei mechanischen Uhren besteht das Regulierorgan aus Unruh und Unruhspirale.

Regulierung

Die Regulierung eines Uhrwerks besteht darin, ihren täglichen Gang in verschiedenen Lagen und Temperaturen zu beobachten und ggf. zu optimieren. Der Aufwand hängt von der Qualität und dem gewünschten Genauigkeitsgrad einer Uhr ab. Das wiederum schlägt sich im Preis nieder. Eine Präzisionsregulierung nach amtlichen Vorgaben umfasst mindestens fünf Lagen des Uhrwerks und zwei verschiedene Temperaturen (23,8 und 38 °C).

Reinigung

Ein mechanisches Uhrwerk leistet Schwerstarbeit. Deshalb sollte es spätestens nach vier Jahren einen qualifizierten Service bei Juwelier Wempe erhalten. Bei einem Auto, das im Durchschnitt täglich nur einige Stunden bewegt wird, sind Ölwechsel und Wartung in regelmäßigen Abständen eine absolute Selbstverständlichkeit. Eine Uhr läuft hingegen 24 Stunden pro Tag. Durch mangelnde Wartung können die empfindlichen Teile des Räderwerks Schaden nehmen. Bei Wempe wird das Werk bei einer Überholung komplett zerlegt sowie auf Herz und Nieren geprüft.

Reparaturzeichen

Nach einer Reparatur, einer Überholung oder auch beim Verkauf einer Uhr bringen manche Uhrmacher meist im Gehäuseboden sog. Reparaturzeichen an. Aus ihnen geht u. a. hervor, wann Serviceleistungen erbracht wurden. Durch die Reparaturzeichen schützen sich Uhrmacher u. a. vor ungerechtfertigten Reklamationen. Kenner können aus Zahl, Art und ggf. Datum der Reparaturzeichen auf das Alter und sogar den Lebensweg einer Uhr schließen.

Repassage

Komplette (Nach-)Kontrolle einer fertig gestellten Uhr vor dem Verlassen der Produktionsstätte. Hierzu gehört auch eine Überprüfung des Gangs. In früheren Zeiten gehörten die Repasseure zu den Aristokraten unter den Uhrmachern.

Repetitions-Schlagwerk

Aufwändige Zusatzfunktion eines Uhrwerks, die es gestattet, die aktuelle Zeit mehr oder minder genau akustisch wiederzugeben. Je nach Ausführung des Schlagwerks unterscheidet man zwischen Uhren mit Viertelstunden-, Achtelstunden- (7-Minuten), 5-Minuten- oder Minutenrepetition. Um die Zeit akustisch darstellen zu können, benötigt das Schlagwerk Kraft. Diese erhält es durch die Betätigung eines Schiebers oder Drückers im Gehäuserand. Gleichzeitig löst dieser Vorgang auch den Schlagwerksmechanismus aus. Sofern Schieber oder Drücker nicht bis zum Anschlag geführt wurden, schlagen einfache Repetitionsuhren eine Zeit unvollständig. Bei feinen Konstruktionen verhindert dies eine sog. Alles-oder-nichts-Sicherung. Sie repetieren korrekt oder gar nicht.

Retrograde Anzeige

Zeiger, der sich zur Indikation von Zeit, Datum oder auch Wochentag schrittweise über ein Kreissegment bewegt und – am Ende der Skala angekommen – ruckartig in seine Ausgangsposition zurückspringt.

Rhodinierung

Galvanische Veredelung z. B. der Werkoberfläche, um diese vor dem Anlaufen zu schützen und ihr einen strahlenden Glanz zu verleihen. Außerdem bewirkt die Rhodinierung eine höhere Oberflächenhärte. Bei Rhodium handelt es sich um ein Metall, das aus Platinerz gewonnen wird und somit zu den Platinmetallen zählt.

Rohwerk

siehe Ébauche.

Rotor

Unbegrenzt drehende Schwungmasse bei Uhren mit automatischem Aufzug. Je nach Konstruktion des Selbstaufzugs wird die Zugfeder in einer oder beiden Drehrichtung(en) des Rotors gespannt. Zu unterscheiden sind Zentral- und Mikrorotoren. Erstere drehen sich über dem ganzen Werk, letztere sind in die Werksebene integriert.

Rubin

Gegen 1700 bestückten Fatio de Duillier und die beiden französischen Uhrmacher Pierre und Thomas Debaufre die Lager des Räderwerks erstmals mit gebohrten Rubinen. Das minderte die Abnutzung. 1704 begannen sie mit der Herstellung gebohrter und ungebohrter Steine für Uhrwerke. Seit 1902 finden sich in Uhrwerken synthetische Rubine. Der „rubis scientifique“ ist hart, homogen, in beliebiger Färbung erhältlich und lässt sich zudem relativ leicht bearbeiten. Er löste den sog. rekonstituierten Rubin ab, der durch das Schmelzen und Pressen von Rubinabfällen entstand. Die synthetischen Rubine unterscheiden sich von echten nur durch die Art der Erzeugung. Die Zusammensetzung ist gleich.

Saphirglas

Kratzfestes Uhrenglas der Härte 9 (Mohs). Eine noch größere Härte weist nur der Diamant auf.

Satinierung

Feiner, seidiger und matter Schliff auf Metalloberflächen.

Savonnette (Seifendose)

Uhrgehäuse, das neben dem Rückdeckel noch einen aufklappbaren vorderen (Sprung-) Deckel zum Schutz des Glases besitzt.

Savonnette-Kaliber

Uhrwerk, bei dem Sekundenrad und Krone in einem Winkel von 90 Grad zueinander stehen. Ein kleiner Sekundenzeiger befindet sich also bei der „6“.

Schablonen

Nicht zusammengefügte Komponenten eines Rohwerks.

Schaltjahr

Nach dem julianischen Kalender besitzt jedes vierte Jahr infolge des „eingeschalteten“ 29. Februar insgesamt 366 Tage.

Schaltrad-Chronograph

Ohne intelligenten Steuermechanismus wäre das Starten, Stoppen und Nullstellen eines Chronographen unabhängig vom Uhrwerk nicht möglich. Bei klassischen Chronographen-Kalibern erfolgt die Steuerung über ein drehbar gelagertes Schaltrad. Das vergleichsweise aufwändige Bauteil besitzt – abhängig von der Werkskonstruktion – fünf, sechs, sieben, acht oder gar neun Säulen. Bei jedem Schaltvorgang bewegt es sich um einen exakt definierten Winkel im Uhrzeigersinn weiter. Kommt das Ende einer Schaltwippe auf einer Säule zum Liegen, wird es durch diese angehoben. Fällt es hingegen zwischen zwei Säulen, sorgt leichter Federdruck für eine Absenkung. Es wird auch vom Säulenrad bzw. Kolonnenrad gesprochen.

Schlagwerk

Zusatzfunktion bei Uhren, die es ermöglicht, die Zeit mehr oder minder genau akustisch darzustellen. Prinzipiell zu differenzieren sind Uhren mit Selbstschlag und solche mit Repetition, die die Zeit nur auf Anforderung schlagen.

Schlagzahl

Die Summe der Schläge des gangregelnden Organs (z. B. Pendel oder Unruh) einer Uhr wird als Schlagzahl bezeichnet. Zwei Schläge ergeben jeweils eine volle Schwingung. Beispielsweise besitzen klassische Armbanduhren die Schlagzahl 18.000. Mit anderen Worten: Die Unruh vollzieht pro Stunde 9.000 volle oder 18.000 halbe Schwingungen. Die Unruhfrequenz einer derartigen Uhr liegt bei 2,5 Hertz (Hz).

Schleppzeiger

siehe Chronograph-Rattrapante.

Schnellschwinger

Uhrwerke, bei denen die Schlagzahl oder Frequenz zur Steigerung der Ganggenauigkeit und Minderung der Störanfälligkeit 28.800 oder gar 36.000 Halbschwingungen/Stunde beträgt.

Schweizer Ankerhemmung

Freie Hemmung für Kleinuhren, bei der sich die Zähne des Ankerrads nach außen kolbenförmig verbreitern. Dadurch verteilt sich die Hebung auf das Gangrad und den Anker mit seinen beiden (Rubin-)Paletten. Neben der Schweizer Ankerhemmung gibt es auch die Englische oder die Glashütter Ankerhemmung.

Schwerkraft

Durch die Erdanziehung streben alle Körper dem Zentrum des Planeten zu. Die bei frei fallenden Gegenständen auftretende Beschleunigung wird in g gemessen. Die Einflüsse der Schwerkraft auf den Gang mechanischer Uhren dürfen nicht unterschätzt werden. Speziell bei Taschenuhren, die zumeist in senkrechter Lage getragen werden, vermag die Gravitation das Gangverhalten dann beträchtlich zu stören, wenn sich der Unruh-Schwerpunkt nicht exakt im Zentrum der Unruhwelle befindet. Nur dann gibt es keine Stelle am Unruhreif, die permanent dem Erdmittelpunkt zustrebt und dadurch eine Be- oder Entschleunigung verursacht.

Schwerpunktfehler

Rein theoretisch lässt sich die perfekte Balance von Unruh und Unruhspirale immer herstellen. Auch praktisch ist das durchaus möglich. Zu diesem Zweck wird das Paar mit Hilfe von Regulierschrauben, Fräsungen oder Bohrungen im Unruhreif ausgewuchtet. Die Freude am zeitaufwändigen Balanceakt ist freilich immer nur von begrenzter Dauer. Irgendwann wandert der Schwerpunkt beinahe zwangsläufig wieder aus dem Zentrum der Unruh. Die Folge sind Schwerpunktfehler, die den Gang mechanischer Uhren in senkrechter Position beeinträchtigen.

Schwungmasse

An einem (Automatik-)Uhrwerk beweglich angebrachter und über ein Getriebe mit dem Federhaus gekoppelter Drehkörper. Infolge der Gravitation strebt diese Gewichtsmasse in nicht-waagerechter Lage des Uhrwerks dem Erdmittelpunkt entgegen. Die solcherart erzeugte kinetische Energie wird von einem Getriebe in ein Energiepotenzial umgewandelt, das die Zugfeder speichert.

Sekunde

Die Dauer von „secunda diminutiva“ pars, dem zweiten verminderten Teil einer Stunde, musste im Laufe der Zeit mehrfach neu definiert werden. Dies hing nicht zuletzt auch mit den gewaltigen Fortschritten auf dem Gebiet der Zeitmessung zusammen. 1820 kam es auf Vorschlag eines Komitees französischer Wissenschaftler zu folgender Festlegung: Eine Sekunde ist 1/86.400 eines mittleren Sonnentages. Die nachgewiesene Unregelmäßigkeit der Erdrotationen und die moderne Quarzzeitmessung machte 1956 eine neue Definition erforderlich. Die Zeiteinheit der Sekunde wurde als 1/31.556.925,9747 jenes Umlaufjahres der Erde um die Sonne bestimmt, das am 1. Januar 1900, 12.00 Uhr begann. Dieses mühsam gefundene Maß hielt allerdings nicht lange. Es war schlichtweg zu ungenau. In 1.000 Jahren hätte sich eine Abweichung von rund fünf Sekunden ergeben. Weil seit Ende der 1950er Jahre Quarzuhren in der hochpräzisen Zeitmessung keine Rolle mehr spielen, da Atomuhren den Takt der Zeit bestimmen, mussten Wissenschaftler eine neue Festlegung finden. Seit 1967 gilt, dass eine Sekunde der Dauer von 9.192.631.770 elektromagnetischen Schwingungen in der Elektronenhülle des Cäsium-Atoms entspricht.

Sekundenanzeige

Ursprünglich kam die Sekundenanzeige, die Jost Bürgi gegen 1579 eingeführt haben soll, nur bei besonders präzisen Zeitmessern zur Anwendung. Heute ist der Sekundenzeiger zu einer Selbstverständlichkeit bei Uhren aller Art geworden.

Selbstaufzug

Deutscher Terminus für die Automatik bei mechanischen Uhren.

Selbstschlag

Schlagwerk einer Taschen- oder Armbanduhr, das – im Gegensatz zur Repetition – völlig selbsttätig in Aktion tritt. Je nach Konstruktion werden, wie bei einer Pendule, die Stunden (Petite Sonnerie) und auch Viertelstunden (Grande Sonnerie) „im Vorbeigehen“ akustisch dargestellt. Auf Knopfdruck repetieren derartig aufwändige Mechanismen aber auch die Stunden, Viertelstunden und Minuten.

Skelettwerk

Uhrwerk, bei dem Platine, Brücken, Kloben, Federhaus und ggf. Rotor so weit durchbrochen werden, dass nur noch das für die Funktion unabdingbar notwendige Material übrig bleibt. Auf diese Weise kann man durch das Uhrwerk schauen. Die Skelettierung wird bei feinen Zeitmessern von Hand ausgeführt und verkörpert dort die höchste Schule der Uhrmacherei. Die handwerkliche Qualität einer Skelettierung lässt sich am besten dort erkennen, wo facettierte Kanten zusammenstoßen. Drei verschiedene Arten von Ecken sind hierbei zu unterscheiden: 1. Die eingezogene Ecke. Zwei zusammenstoßende Facetten bilden eine nach innen springende Ecke. Die Schnittstelle soll schnurgerade zwischen den Kreuzungspunkten der beiden Kantenlinien verlaufen. Diese Art von Ecke ist ein Indiz für allerhöchste handwerkliche Kunstfertigkeit, denn sie lässt sich nicht per Maschine ausführen. 2. Die vorspringende Ecke. Die Schnittstelle zweier Facetten bildet eine nach außen springende Ecke. Diese Ecke soll scharfkantig sein, nicht aber stumpf oder gar abgerundet. 3. Die abgerundete Ecke. Im Gegensatz zu den beiden vorgenannten Formen besitzt ihre Facette keine scharfe Kante. Abgerundete Ecken sind demnach weniger kunst- und wertvoll als die beiden anderen, weil sie sich auch maschinell fertigen lassen. Armbanduhren mit skelettiertem Uhrwerk gibt es seit Mitte der 1930er Jahre.

Spirale

siehe Unruhspirale.

Spiralklötzchen

Kleines Metallstück, in dem das äußere Ende der Unruhspirale verstiftet oder – bei modernen Uhrwerken – verklebt ist. Das Spiralklötzchen seinerseits ist am Unruhkloben oder an der Platine befestigt.

Split-Seconds-Chronograph

siehe Chronograph-Rattrapante.

Springende Sekunde (Seconde morte)

„Vorrichtung zur schrittweisen Vorwärtsbewegung des Sekundenzeigers von Uhrwerkgetrieben“, wie es in der Patentschrift zu einem Uhrwerk mit springendem Sekundenzeiger heißt. Im Grunde genommen handelt es sich hierbei um ein ganz normales mechanisches Kaliber. Bei einer Unruhfrequenz von 18.000 Halbschwingungen pro Stunde zählt ein Mechanismus jeweils fünf Halbschwingungen. Dann erst gibt er den Sekundenzeiger frei, der nun, wie bei Quarzuhren, eine ganze Sekunde weiterspringt.

Springende Stunde

siehe Heures Sautantes.

Steinanker

Anker mit Rubinpaletten.

Steine 1

Eine Handaufzugs-Präzisionsuhr benötigt mindestens 15 funktionelle Steine: zehn Lagersteine, zwei Decksteine für die Unruh, zwei Palettensteine für den Anker sowie einen Hebelstein (Ellipse). Eine optimale Ausstattung ist mit 18 Steinen gegeben. Bei komplizierten Uhren, z. B. mit automatischem Aufzug, Chronograph oder Repetitionsschlagwerk, erhöht sich die Zahl der erforderlichen Steine entsprechend.

Steine 2

Bei Präzisionsuhren werden zur Verminderung der Reibung in den wichtigsten Lagern, an den Ankerpaletten und der Ellipse Steine eingesetzt. Während in früheren Zeiten natürliche Edelsteine (z. B. Rubine oder Saphire) verwendet wurden, findet man in modernen Uhren ausschließlich synthetisch hergestellte Steine. Zu unterscheiden sind Lagersteine (Lochsteine), Decksteine, Palettensteine und Hebelsteine. Nicht zwangsläufig müssen viele Steine bei einem Uhrwerk Ausdruck besonderer Güte sein. Im Gegenteil: Oftmals soll gerade bei billigen Armbanduhren eine auf dem Zifferblatt vermerkte hohe Zahl von „Jewels“ eine hohe Qualität suggerieren. Bei diesen Uhren sind jedoch die Steine in den seltensten Fällen dort angebracht, wo sie wirklich gebraucht werden.

Stiftankerhemmung

Der Stiftankerhemmung besitzt anstelle der Palettensteine polierte, senkrecht aus der Ankerebene herausstehende Stahlstifte. Diese greifen in das Ankerrad.

Stimmgabeluhr

Als Regulierorgan dient eine elektronisch angeregte Stimmgabel. Frequenz: 360 Hz. Bekannteste Stimmgabel-Armbanduhr ist die Bulova „Accutron“, vorgestellt im Jahre 1960.

Stoppsekunde

Vorrichtung zum Anhalten von Uhrwerk und/oder Sekundenzeiger, um die Uhrzeit sekundengenau einstellen zu können. Zu diesem Zweck muss die Krone gezogen werden, wenn sich der Sekundenzeiger bei der „12“ befindet. Beim Ertönen eines Zeitzeichens wird die Krone wieder gedrückt; der Sekundenzeiger setzt sich in Bewegung.

Stoppuhren

Im Gegensatz zu Chronographen besitzen Stoppuhren keine Zeitanzeige. Bei einfachen Konstruktionen wird das Werk angehalten, wenn der Sekundenzeiger stoppen soll.

Stoßsicherung

System zum Schutz der feinen und deshalb sehr empfindlichen Zapfen der Unruhwelle vor Bruch. Zu diesem Zweck sind die Loch- und Decksteine der Unruhwellenlager federnd in Platine und Unruhkloben befestigt. Bei harten Stößen geben sie lateral und/oder axial nach. Eine stoßgesicherte Armbanduhr soll einen Sturz aus einem Meter Höhe auf einen Eichenholzboden unbeschadet überstehen. Außerdem darf sie danach keine wesentlichen Gangabweichungen aufweisen. Erste Armbanduhren mit Stoßsicherung kamen in den 1930er Jahren auf den Markt. Ab den 1950er Jahren waren Armbanduhren ohne Stoßsicherung nicht mehr denkbar. Anfänglich verwendeten etliche Uhrenhersteller nicht zuletzt aus Kostengründen eigene Stoßsicherungssysteme. Diese konnten sich auf Dauer jedoch nicht durchsetzen. Zu den bekanntesten und am weitesten verbreiteten Stoßsicherungen gehören „Kif“ und „Incabloc“. Letztere ist leicht an ihrer lyraförmigen Haltefeder zu erkennen.

Stundenzähler

Konstruktionsmerkmal mancher Chronographen zur Erfassung der seit Beginn des Stoppvorgangs verstrichenen Stunden. Meist werden bis zu zwölf Stunden gezählt. Die Betätigung des Nullstelldrückers bewirkt auch eine Rückstellung des Stundenzählers.

Swiss Made

Herkunftsbezeichnung auf dem Zifferblatt und/oder dem Werk einer „Schweizer Armbanduhr“. Nach der „Swiss Made“-Verordnung vom 27. Mai 1992 darf diese Herkunftsbezeichnung dann verwendet werden, wenn das Werk schweizerisch ist, Montage, Einschalung und Endkontrolle in der Schweiz erfolgen. Schweizer Uhrwerke sind solche, deren Bestandteile aus schweizerischer Fabrikation – ohne Berücksichtigung der Montagekosten – mindestens 50 Prozent des Werts ausmachen. Nichtschweizerische Hersteller dürfen das „Swiss Made“ selbst dann nicht mehr verwenden, wenn alle Komponenten aus der Schweiz stammen, die Montage aber in ihrem Heimatland erfolgt.

Swiss Mvt (Swiss Movement)

Kleiner Schriftzug auf dem Zifferblatt von nichtschweizerischen Armbanduhren, in denen aber ein eidgenössisches Uhrwerk die Zeit bewahrt. Das „Swiss Mvt.“ findet sich beispielsweise auf den Zifferblättern von Plagiaten. Sehr klein gedruckt, soll es hier eher ein „Swiss Made“ vortäuschen.

Tachymeterskala

Zifferblattskala bei Chronographen zur Ermittlung von Durchschnittsgeschwindigkeiten. Meistens geeicht auf eine Strecke von einem Kilometer oder einer Meile. Am Anfangspunkt der Messstrecke, z. B. an einer Kilometermarkierung, wird der Chronograph gestartet und an ihrem Ende wieder angehalten. Der Chronographenzeiger deutet nun auf die Durchschnittsgeschwindigkeit (km/h oder mph), mit der die Distanz durchfahren wurde.

Taucheruhren

Zum Schwimmen oder für Unterwasserausflüge empfehlen sich Gehäuse, die mindestens bis 100 Meter Tiefe wasserdicht sind. Taucheruhren müssen gemäß DIN-Norm 8306 allerdings noch weitere Bedingungen erfüllen. Neben der Gehäusedichtheit und einer guten Ablesbarkeit wird eine Einrichtung verlangt, die die Vorwahl einer Tauch-Zeit­spanne gestattet. Zum Beispiel ein einseitig verstellbarer Drehring. Auch die Ablesbarkeit ist definiert: Die Uhrzeit, die voreingestellte Tauchzeit und das Funktionieren der Uhr müssen selbst bei Dunkelheit aus 25 Zentimetern Entfernung unmißverständlich erkennbar sein. Professionelle Taucheruhren müssen dem nassen Element bis mindestens 200 Meter Tiefe widerstehen. Zudem haben sie ihre Dichtheit einmal jährlich unter Beweis zu stellen. Sofern sie der Norm entsprechen, müssen sie das DIN-Zeichen tragen. Zur eigenen Sicherheit sollte jede Taucheruhr einmal, besser zweimal jährlich von Juwelier Wempe auf ihre Dichtigkeit hin überprüft werden.

Telemeterskala

Chronographenskala zum unmittelbaren Ablesen von Entfernungen. Als Berechnungsbasis dient die unterschiedliche Ausbreitungsgeschwindigkeit von Licht und Schall. Zum Beispiel lässt sich die Distanz eines Gewitters bestimmen, wenn der Chronograph beim Aufleuchten des Blitzes gestartet und beim Ertönen des Donners wieder gestoppt wird. Nun kann man dem Chronographenzeiger – abhängig von der Skaleneichung – die momentane Entfernung in Kilometern oder Meilen entnehmen.

Tourbillon

Von Abraham-Louis Breguet 1795 erfundene und im Jahre 1801 patentierte Konstruktion zur Kompensation der Schwerpunktfehler im Schwingsystem (Unruh und Unruhspirale) mechanischer Uhren. Beim Tourbillon (Wirbelwind) ist das komplette Schwing- und Hemmungs-System in einem – möglichst leichten – Käfig untergebracht. Dieser dreht sich innerhalb einer bestimmten Zeitspanne (meist eine Minute) einmal um seine eigene Achse. Auf diese Weise können die negativen Einflüsse der Erdanziehung in den senkrechten Lagen einer Uhr ausgeglichen und die Gangleistungen gesteigert werden. In waagerechten Lagen hat das Tourbillon dagegen keinen Einfluss auf die Ganggenauigkeit. Armbanduhren mit Tourbillon wurden erstmals in den 1940er Jahren für Chronometerwettbewerbe hergestellt. Seit 1986 gibt es in Kleinserien gefertigte Armband-Tourbillons.

Unruh

Kreisrunder Metallreif, der gemeinsam mit der Unruhspirale das gangregelnde Organ einer mechanischen Uhr verkörpert. Er beeinflusst die Präzision ganz entscheidend. Der Unruhreif kann als statisch ausgewuchtetes „Schwungrad“ definiert werden. Bis in die 1940er Jahre wurden in Präzisionsuhren zum Ausgleich von Temperaturschwankungen bimetallische Unruhn verwendet. Als 1933 die autokompensierende „Nivarox“-Spirale Serienreife erlangt hatte, verloren sie zunehmend an Bedeutung. An ihrer Stelle traten zunehmend monometallische „Glucydur“-Unruhreifen aus Beryllium-Bronze. In Verbindung mit der „Nivarox“-Spirale war damit ein beinahe ideales Regulierorgan entstanden, das bis in die Gegenwart nichts an Aktualität eingebüßt hat. Diese Paarung wird in allen hochwertigen mechanischen Uhren verwendet.

Unruhspirale

Die Unruhspirale kann als „Seele einer mechanischen Uhr“ bezeichnet werden. Mit ihrem inneren Ende ist sie an der Unruhwelle, mit dem äußeren am Unruhkloben befestigt. Durch ihre Elastizität sorgt sie dafür, dass die Unruh gleichmäßig hin und her schwingt. Ihre aktive Länge bestimmt neben dem Trägheitsmoment des Unruhreifens dessen Schwingungsdauer. Deshalb findet man in den meisten Uhren einen Rücker, mit dem sich die aktive Länge der Unruhspirale verändern lässt. Verlängern der Unruhspirale bewirkt Nachgehen, Verkürzen ein Vorgehen der Uhr. Die Präzision mechanischer Uhren hängt auch von der Qualität des verwendeten Materials sowie der Form der Unruhspirale ab. Die Unruhspirale ist drei bis viermal dünner als ein menschliches Haar und wiegt etwa 2/1.000 Gramm. Trotzdem vermag sie einer Spannung von 600 Gramm zu widerstehen. Mehr als 200.000.000-mal pro Jahr zieht sie ihre feinen Windungen zusammen und dehnt sie danach wieder aus.

Vierjahreskalender

Halbewiger Kalender.

Vierundzwanzig-Stunden-Anzeige

Eine solche Armbanduhren, bei denen sich der Stundenzeiger nur einmal täglich um seine Achse dreht, also auf dem Zifferblatt die Stunden von 1 bis 24 direkt anzeigt. Diese Form der Indikation ist selten, weil sie sehr gewöhnungsbedürftig und schwierig abzulesen ist. Daneben gibt es auch Armbanduhren mit zwei Stundenzeigern. Einer davon rotiert in zwölf, der andere in 24 Stunden einmal um seine Achse.

Vollkalendarium

Komplettes Kalendarium mit Anzeige von Tag, Datum und Monat. In Monaten mit weniger als 31 Tagen ist hierbei eine manuelle Korrektur der Datums- und der Monatsindikation erforderlich. Bei manchen Armbanduhren mit Vollkalendarium wird die Monatsanzeige jeweils am 31. automatisch weitergeschaltet.

Wasserdichte Armbanduhren

Die verbreitete Bezeichnung „wasserdicht bis 30 Meter“ (3 bar, 3 atm) stützt sich auf die Deutsche Norm (DIN) 8310. Danach dürfen Uhren die Bezeichnung „wasserdicht“ tragen, wenn sie gegen Schweiß, Spritzwasser und Regen resistent sind. Zudem darf in einem Meter Tiefe mindestens 30 Minuten lang keine Feuchtigkeit eindringen. Der Zusatz 30 m, 3 bar oder 3 atm ist nicht geregelt, besagt jedoch, dass diese Uhren vom Fabrikanten einem entsprechenden Prüfdruck ausgesetzt wurden. Gleichwohl empfiehlt es sich nicht, mit solchen Uhren zu schwimmen oder gar zu tauchen.

Wecker

Eine der frühesten Zusatzfunktionen bei mechanischen Räderuhren, bekannt seit dem 16. Jahrhundert. Sie melden sich zur eingestellten Zeit auf akustische Weise. 1908 ließ sich Eterna einen ersten Armbandwecker patentieren. Bekannte Armbandwecker sind die 1947 lancierte „Cricket“ von Vulcain, das 1951 präsentierte Modell „Memovox“ von Jaeger-LeCoultre sowie die 1969 vorgestellte „Memomatic“ von Omega, bei der sich die Weckzeit minutengenau einstellen lässt. Armbandwecker gibt es mit manuellem oder automatischem Aufzug.

Weltzeitindikation

Ausgehend vom Greenwicher Nullmeridian verschiebt sich die Zeit nach jeweils 15 Längengraden um eine volle Stunde. Dieses Weltzeitsystem wurde 1883 zuerst von Kanada und den USA eingeführt. Deutschland schloss sich 1893 an. Uhren mit Weltzeitindikation zeigen bis zu 24 Zonenzeiten auf einem Zifferblatt an. Ein Zusatzmechanismus ermöglicht die Darstellung mehrerer Zonenzeiten (System „heure universelle“ bis hin zu 24). Weltzeit-Armbanduhren, die es seit den dreißiger Jahren gibt, sind vor allem bei Langstreckenfliegern und Geschäftsleuten, die häufig über weite Entfernungen hinweg telefonieren müssen, sehr beliebt. Die Renaissance der mechanischen Armbanduhr hat in ihrer Funktion und Praktikabilität höchst unterschiedliche Systeme mit sich gebracht.

Zeigerwerk

Zwischen Platine und Zifferblatt liegendes Räderwerk. Es überträgt die Drehungen der Minutenradwelle auf den Stundenzeiger. Außerdem dient es in Verbindung mit dem Zeigerstellsystem dazu, dass sich Stunden und Minutenzeiger über die gezogene Krone exakt richten lassen.

Zentralsekunde

Sekundenzeiger, der im Zentrum des Zifferblattes angeordnet ist. Bei Uhren mit Zentralsekunde ist die Minutenradwelle durchbohrt, um Platz für die Welle des Sekundenzeigers zu schaffen. Zu unterscheiden sind Werke mit direkter oder indirekter Zentralsekunde. Direkte Zentralsekunden liegen im Kraftfluss des Räderwerks, indirekte außerhalb desselben.

Zugfeder

Zugfedern sind lange, elastische und spiralförmig aufgewickelte Stahlstreifen, die bereits im Verlauf des 15. Jahrhunderts als Energiereservoir in mechanischen Uhren Verwendung fanden. Sie sind im Federhaus untergebracht und entwickeln im voll aufgezogenen Zustand ihr höchstes Drehmoment. Mit abnehmender Federspannung nimmt auch das Drehmoment kontinuierlich ab, was sich auf den Gang einer Uhr auswirkt. Bei Uhren mit automatischem Aufzug wird die Zugfeder regelmäßig nachgespannt. Dies bewirkt ein relativ konstantes Drehmoment und damit einen gleichmäßigeren Gang. In modernen Armbanduhren finden im Allgemeinen sog. „Nivaflex“-Zugfedern Verwendung. Diese bestehen aus einer Speziallegierung, sind dauerelastisch sowie weitgehend bruchresistent. Die S-förmigen „Nivaflex“-Zugfedern haben eine gleichmäßige Kraftabgabe.

Zylinderhemmung

Die Erfindung der Zylinderhemmung geht auf das Jahr 1726 und den englischen Uhrmacher George Graham zurück. Bei Armbanduhren findet man sie in älteren und sonst nur noch in einfachen und preiswerten Exemplaren. Bei dieser Hemmung fehlt der Anker als Verbindungsglied. Vielmehr greifen die Zähne des Hemmungsrades direkt in die als hohlen Zylinder ausgeformte Unruhwelle. Wegen der ungenügenden Gangleistungen wird die Zylinderhemmung heute nicht mehr verwendet.

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